„Früher war alles besser!“ / „Things were better back in the days!“

…oder: „Der Freiburger Wohnungsmarkt!“

Immer, wenn ich im Infoladen gefragt werde, wie denn am besten eine Wohnung in Freiburg zu beschaffen sei, muss ich auch immer ein bisschen an meine eigenen Erlebnisse zurückdenken. Ich gebe zu, meine Kontakte waren spärlich und beschränken sich auf drei Suchen und zwei Angebote. Trotzdem denke ich gelegentlich: „Früher war das alles irgendwie besser.“ Oder um es mit Jochen Malmsheimer zu sagen: „Früher war nicht alles besser. Aber es gab Sachen, die waren früher gut. Und sie wären es auch heute noch. Wenn man die Finger davon gelassen hätte.“

Gleiches oder wenigstens ähnliches gilt meiner Meinung nach auch für den Freiburger Wohnungsmarkt. Es ist die Hölle los da draußen, meine Damen und Herren. Und ich kann mich nicht dran erinnern, dass es jemals so schlimm war wie in den letzten zwei Jahren.

Was kann der oder die Zimmersuchende also tun? Ich werde jetzt einfach mal nach und nach das auflisten, was ich und meine KollegInnen auch im Infoladen in kleinen Abwandlungen immer erzählen.

1.) WEITERSUCHEN! Du hast noch kein Zimmer? Bei wg-gesucht.de antwortet niemand? Weitersuchen. Wie der kleine blaue Fisch in diesem Kinderfilm mit den sprechenden Haien. Weiterschwimmen. Nicht aufgeben. Dass die Antwortrate bei wg-gesucht oder anderen Plattformen so furchtbar gering ist liegt nicht an Dir. Zu ganz großen Teilen liegt sie schlicht an der schieren Masse von Bewerbungen/E-Mails/Anrufen, die da auf die WGs einprasseln.

2.) Schau bei uns in die Zimmervermittlung ins Serviceportal. Erstell Dir einen Account, vergiss nicht den Link in der Bestätigungs E-Mail zu klicken. Lade Deine Immatrikulationsbescheinigung hoch und durchwühle unsere Angebote. Ich weiß nicht ob die Chancen dort so viel besser sind und sicher sind nicht alle Zimmerangebote das Gelbe vom Ei. ABER, wir haben ein paar Vorteile. Alle Anbieter sind gezielt daran interessiert an Studierende zu vermieten. Der Interessentenmarkt mit dem Du Dich messen musst, beschränkt sich auf die Freiburger Studierendenschaft. UND, wir geben uns allergrößte Mühe Makler von unserer Plattform fern zu halten.

3.) Sei nicht so pingelig. Muss es die renovierte Altbauwohnung mit hohen Decken, Zentralheizung und Blick aufs Münster für 250,-€/warm sein? Ich gebe zu, auf Zentralheizung würde ich auch nicht verzichten. Aber gelegentlich beschleicht mich das Gefühl, dass die Ansprüche nicht unbedingt zum Geldbeutel passen. Ich weiß auch, dass Freiburg ar***teuer ist und ich weiß auch, dass man sich seinen Geldbeutel nicht aussuchen kann. Man sollte auch nicht in jedes Rattenloch ziehen, dass einige Vermieter in dieser Stadt zu unverschämten Preisen auch noch an den letzten Verzweifelten vergeben. Was wir im Infoladen aber immer versuchen klar zu machen ist: Diese erste Wohnung wird nicht die letzte sein. Ich kenne niemanden, der nicht im Laufe seines Studiums wenigstens einmal umgezogen ist.

4.) Schließt sich an Punkt 3 an: Kauf Dir Zeit! Gemeint ist: Akzeptiere evtl. auch eine Zwischenmiete oder eine Wohnung etwas außerhalb. Erfahrungsgemäß entspannt sich der Wohnungsmarkt Richtung Frühjahr/Semestermitte ein kleines bisschen. Ich kann verstehen, dass man gerne seine Zelte aufschlagen und ankommen will und auch, dass die Aussicht auf einen Umzug in ca. einem halben Jahr vielleicht auch nicht gerade die prickelndste ist, trotzdem: kauf Dir Zeit. Vor Ort sieht vieles dann doch anders aus. Du musst nicht für jede Wohnungssuche extra anreisen, Du lernst Menschen kennen, die wiederum wen kennen etc. etc.

5.) Werde selber aktiv. Bastel Aushänge, schalte selber Anzeigen. Es kostet Dich wenig Zeit und vielleicht bringt es etwas. Wenn ich Mitbewohner gesucht habe, habe ich auch immer zuerst die Zimmersuchenden durchgeschaut, musste dann aber feststellen, dass Männer Mitte 40, die gerne ohne Kleidung rumlaufen und eine vegane WG suchen, einfach keine geeigneten Mitbewohner für mich sind.

6.) Schau Dich nach Alternativen um. So haben wir im SWFR noch das Wohnen für Hilfe. Gedacht ist, Du wohnst bei jemanden, hilfst ein wenig mit und dafür sinkt der Mietpreis. Weitere Infos dazu findet ihr unter obigem Link.

7.) Lass Dich nicht übern Tisch ziehen und sei auf der Hut. Sprich, überweis kein Geld bevor nicht Mietvertrag unterschrieben oder der Schlüssel übergeben wurde. Alle, die erstmal Kohle sehen wollen, sind im Zweifelsfall Betrüger. Für die Mädels: Nehmt Freund oder Freundin mit. Wie Lena schon geschrieben hat: Nicht alle 23-jährigen, die noch ein Zimmer frei haben sind tatsächlich 23 und wir im Infoladen vermuten, dass die gerne was anderes als ein Zimmer loswerden möchten.

8.) Für die Jungs: „Männlich, katholisch“? Kommt Euch bekannt vor? Hier handelt es sich zumeist um Zimmer in Burschenschaften. Lasst es. Es sei denn ihr steht auf rechtskonservative, säbelschwingende, Männlichkeitsrituale ausübende Jungs in lustigen Klamotten mit Bändelchen um die Brust. Dann wünsch ich Euch viel Spaß.

9.) Bevor Du auf der Straße sitzt, informiere Dich über unsere Notunterkünfte. Leider gilt hier das, was für alle Wohnsituationen in Freiburg gilt: es ist die Hölle los. Und es sind NOT-UNTERKÜNFTE. Keine Luxusappartements. Und, sie sind nur für den Monat Oktober UND sie sind nur für maximal zehn Nächte ausgelegt.

10.) In Bezug auf Punkt 1. Weitersuchen, auf allen Kanälen. Es gibt noch die beiden Freiburger Anzeigenblätter Schnapp und Zypresse. Hier inserieren allerdings auch viele Makler, daher ein bisschen Vorsicht. Gleiches gilt für Seiten wie immobilienscout24.de.

11.) Viele Vermieter haben Angst vor WGs. Dies ergibt sich häufig aus fehlenden Zuständigkeiten, die vor allem dann zu Tage treten, wenn es darum geht, dass etwas gezahlt oder bei Auszug renoviert werden muss. Eine Option ist: Eine/r macht den/die Hauptmieter/in, der/die andere den/die Untermieter/in. Damit ist vor allem für die Vermieter die Zuständigkeit geklärt, die sich häufig nur eine Ansprechperson wünschen. Gute Untermietverträge gibt es als Vorlagen im Internet.

12.) Sei vor Ort. Würdest Du ein Zimmer an jemanden vermieten, den Du noch nie gesehen hast? Ich weiß, es ist Stress, kostet Zeit und Geld. Aber ohne vor Ort zu sein stehen die Chancen noch schlechter.

13.) Wenn Du dann mal einen Besichtigungstermin in einer WG hast, lasst Papa oder Mama mal kurz vor der Tür. Deine WG will mit Dir zusammen wohnen, nicht mit Deinen Eltern. Klar, die bezahlen und klar, die wollen wissen wo Du unterkommst aber den ersten Eindruck solltet Du alleine zu machen. Zimmer gucken können die nachher immer noch.

Puh. Ganz schön viel.

Trotzdem: Allen Wohnungssuchenden da draußen, wünsche ich viel Glück (was ihr einfach braucht). Und lasst Euch gesagt sein: Bis jetzt haben wir immer alle irgendwie unter gebracht und ich bin sehr optimistisch, dass wir das dieses Jahr auch wieder schaffen.

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…or: “The Freiburg housing market!”

 Often, when asked at the information desk how to best procure an apartment or a room in Freiburg, I have to think back to my own experiences on the housing market. OK, I have to admit that these experiences amount to barely three searches and two offers. However, sometimes I think: “Things were somehow better back in the days.” Or, to quote Jochen Malmsheimer: “Things weren’t better back in the days. But some things were good. And they would still be good today, if people had kept their hands off them.”

The same thing is true with the housing situation in Freiburg. It’s hell out there, Ladies and Gentlemen. And I can’t recall that it has been that bad as these past two years.

So what can you do looking for an apartment? I’m just going to list what my colleagues and I usually tell people coming to our information desk in little varieties.

1.) KEEP SEARCHING! You do not have a room? Nobody answering to your requests on wg-gesucht.de? Keep on searching. Like the little blue fish in that children’s movie with the talking sharks. Keep on swimming. Never give up. It’s not because of you that the reply rate on wg-gesucht or similar websites is so low. Basically, people are literally flooded with applications/e-mails/phone calls, so they sometimes just cannot reply to everybody.

2.) Look at our brokering service on the Service Platform (Servieportal). Create an account and do not forget to click on the link in the confirmation e-mail. Upload your certificate of enrollment (Immatrikulationsbescheinigung) and dig through our offers. I do not know if your chances are much higher than on other sites, and some rooms are nothing to write home about, BUT we do have some advantages. All our proprietors are actually interested in renting to students, therefore you only have to compete with other students. AND, we try our best to keep out estate agents and crooks.

3.) Don’t be too persnickety. Does it have to be the renovated loft with high ceiling, central heating and view on the cathedral for 250€ per month? OK, I wouldn’t do without central heating either. But sometimes I have a feeling that people come to Freiburg with the wrong expectations. I know that Freiburg is f***ing expensive and your funds are limited. You shouldn’t move into just any shithole either, which some landlords rent out to the most desperate at outrageous prices. What we try to make clear is that this apartment will most likely not be your last. I do not know anybody who hasn’t moved at least once during his studies.

 4.) As a follow-up to point 3: Buy yourself some time! Meaning: Maybe try a short-term let or an apartment outside of the city. According to experience, the housing market relaxes a bit mid-semester. I know that you would like to settle down and start your life in Freiburg and that the perspective of moving again within a few months is not too great, but anyway: buy yourself some time. On location, things look differently. You do not have to travel for every room search and you will meet new people who may know other people etc.

 5.) Be active. Create a notice for the bulletin boards, take out your own ad. It costs little time and maybe it works. When I was searching for new roommates, I usually looked at those ads first. However, I had to discover that males in their mid-forties who like to run around naked and are on a vegan diet are probably not my choice of roommate.

 6.) Look out for alternatives. For example, the SWFR offers the Wohnen für Hilfe program (accommodation for aid). Basically, you live with someone, provide a little help here and there and you are offered accommodation at reduced rent in return. More information provided on our website.

 7.) Watch out for crooks and be aware. Meaning: do not transfer any money before you haven’t signed the rental contract or received the keys. Everybody who first wants to see some cash are most likely scamsters. For the girls: Take a friend with you. As Lena wrote: Not all 23-year-old, who have a room for rent are in fact 23 and we at the information desk suspect they are up to something else than giving out a room.

8.) For the boys: “Male, catholic only”? Does that ring a bell? These are mostly rooms in Burschenschaften, a special type of student fraternity which is usually nationalistic, right-wing conservative, with its members dressing up in uniforms and engaging in swordplay. Well, if you are into that kind of thing I wish you the best of times.

9.) Before you are living on the streets, gather some information about our emergency accommodation. Unfortunately, usually it’s hell out there, too. This is EMERGENCY ACCOMMODATION. No luxury-apartments. And they are only available for the month of October AND for ten nights max.

 10.) In regard to point 1. Keep on searching, on all channels. There are Freiburger advertising papers Schnapp and Zypresse. However, a lot of estate agents are advertising here, so be aware. The same is true for websites like immobilienscout24.de.

11.) Many landlords do not like WGs. This results from unclear responsibilities, which are mostly then coming up, when it’s time to pay something or the apartment has to be renovated, because of someone moving out. One option could be: One is the main tenant, one is the subtenant. For the landlord the responsibilities are clear now, as they only have one contact person. Good subtenant contracts are available on the internet.

12.) Be there personally. Would you give out a room to somebody you haven’t seen before? I know, it is stressful, costs time and money. But without being on location your chances are even worse.

13.) If you have a visiting appointment at a WG, leave mum or dad at the front door. Your roommates want to live with you, not with your parents. Sure, they are paying and sure they want to know where you are going to live but make the first impression by yourself. They can have a look at your room later.

Wow. Quite a lot.

Anyway, to all the searchers out there, I wish you the best of luck (you need it). And let me tell you: Until now we always managed to get a room for everybody am I’m quite optimistic, that we will reach the same goal this year.

4 Gedanken zu “„Früher war alles besser!“ / „Things were better back in the days!“

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