Studieren mit Kind?!

Studieren mit Kind? Ist das überhaupt möglich? Welche Unterstützungen gibt es und wo können die gefunden werden? Herr Karl-Heinz Hermle von der Sozialberatung des Studierendenwerks hat uns auf unsere Fragen ein paar Antworten  gegeben.2013-12-17 15.44.49

Welche Formen von Betreuung kann das Studierendenwerk anbieten?

Wir haben zwei Kindertagesstätten für Kinder unter 3 Jahren. Pro Kindertagesstätte haben wir 60 Plätze zur Verfügung, ingesamt also 120 Plätze. Das sind einmal die Kita Glacisweg in der Stadtmitte, dort bieten wir 20 Vormittagsplätze, 20 Nachmittagsplätze und 20 Ganztagsplätze an. Gleiches gilt für die Kita Pusteblume draußen auf dem PH Campus im Kunzenweg.

Zusätzlich für Kleinkinder ab dem 3. Lebensmonat gibt es 10 Plätze in der neuen Kita Campus Flugplatz. Der Träger ist hier das Freiburger Jugendhilfswerk, von 60 Plätzen hat das Studierendenwerk das Recht 10 Plätze zu belegen und zwar nur mit Kindern von Studierenden.

Sind diese KiTas nur für Studierende?

Nein, sie sind für Kinder von Studierenden aber auch von jungen Leuten, die sich in Ausbildung befinden und auch Berufstätigen soweit Plätze vorhanden sind. Studierende haben aber Vorrang.

Welchen Anspruch haben Studierende auf diese Plätze?

Pro Kita sind eben nur 60 Plätze in Ganz- und Teilzeitbetreuung vorhanden. Dort liegt auch die Begrenzung, wir können nur 10 Kinder pro Gruppe aufnehmen. Betreut werden die Kinder von 2-3 ErzieherInnen. Das ist so vorgeschrieben vom Gesetzgeber.

Deshalb gab es in zurückliegenden Jahren auch extreme Wartezeiten von bis zu einem Jahr. Seit einiger Zeit haben aber ja auch Kinder unter 3 Jahren das Recht auf einen Betreuungsplatz und die Kommunen schaffen dort Plätze und es wird immer noch viel gebaut.

Was für Kosten kommen auf die Eltern zu?

Leider sind die Kosten pro Platz relativ hoch. Studierende bezahlen z.B. bei einem Familiennettoeinkommen unter 2360,- € und einem Kind, einen ermäßigter Beitrag von 158,-€ für die Halbtagsbetreuung, bei der Ganztagsbetreuung von 229,-€. Wer über einem Familiennettoeinkommen von 2360,-€ liegt, bezahlt stattdessen 210,-€ für einen Halbtagsplatz oder 305,-€ für die Ganztagsbetreuung.

Das heißt die Beiträge sind gestaffelt?

Der Beitrag richtet sich nach der Anzahl der Kinder. Bei zwei Kindern kann das Familiennettoeinkommen höher liegen, nämlich bei 2800,-€. Wenn z.B. beide Kinder betreut werden und das zweite Kind in einer Einrichtung des Studierendenwerks betreut wird, greift die Geschwisterregelung. Das heißt, dann würden die Eltern für das zweite Kind nur noch 138,-€ anstatt der 229,-€ für die Ganztagsbetreuung zahlen.

Ist diese Betreuung günstiger als z.B. städtische Kindertagesstätten?

Nein. Das sind genau die gleichen Beiträge, wie sie auch die Stadt verlangt.

Es gibt aber auch andere Träger, wie z.B. private Kitas, die können dann schon extrem teuer werden. Da zahlen sie schon mal bis zu 800,-€. Hier kommt es aber auch darauf an, was das für eine Kita ist.

Sehr viele Studierende haben natürlich wenig Geld. Wenn beide studieren, können sie sich ja eigentlich so einen Kitaplatz nicht leisten. Da sind dann auch schon 158,-€ im Monat relativ viel. Diese können dann beim Amt für Kinder, Jugend und Familie der Stadt einen Antrag auf Kostenübernahme stellen und viele bekommen die gesamten Kosten oder wenigstens Teile davon von der Stadt erstattet . Dies ist auch die einzige finanzielle Unterstützung, die Studierende bekommen, die aus einem Nicht-EU Land stammen, da diese Kostenübernahme nicht mit anderen Sozialleistungen, wie z.B.  ALGII oder Sozialhilfe gleichzusetzen ist.

Das Studierendenwerk ist nicht für die finanzielle Unterstützung zuständig, hier greift der Staat, wie z.B. das Jobcenter. BAföG-Empfänger bekommen evtl. noch einen Kinderbetreuungszuschlag, den sie nicht zurückzahlen müssen.

Normalerweise haben Studierende keinen Anspruch auf Sozialleistungen. Hier gibt es aber Ausnahmen: Alleinerziehende und Schwangere haben evtl. Anspruch auf Mehrbedarfszuschläge. Diese sind entweder monatlich oder können einmalig ausgezahlt werden, z.B. für Erstausstattung, Babywagen und Schwangerschaftskleidung.

Ab wann können oder sollten Eltern ihre Kinder für die Kita anmelden?

Wir hatten das früher so geregelt, dass man das Kind erst mit dem 7. Lebensmonat anmelden konnte, hier gab es das Problem, das die Eltern fast ein Jahr warten mussten. Da hat sich das ja schon fast nicht mehr gelohnt. (lacht)

Deshalb haben wir auf die Vollendung des 3. Lebensmonats das runtergeschraubt. Ab diesem Zeitpunkt kann man das Kind dann anmelden für die beiden Kitas Glacisweg oder Pusteblume im Kunzenweg.

Eine Ausnahme bietet die Kita Campus/Flugplatz, da dort die Kinder schon ab dem 3. Lebensmonat aufgenommen werden. Dort melden die Eltern ihre Kinder meist schon an, wenn diese noch lange nicht auf der Welt sind.

Mit welchen Fragen kommen die Eltern zu Ihnen in die Sozialberatung? Und zu welchem Zeitpunkt?

Die meisten kommen relativ früh, sobald bekannt ist, dass sie ein Kind erwarten. Und zwar auch nicht mehr die Studentin alleine, sondern oft oder sehr oft auch inzwischen beide Elternteile. Da hat sich schon ein bisschen was geändert.

Als erstes steht natürlich die Frage nach den finanziellen Hilfen und viele wissen z.B. noch gar nichts von den möglichen Mehrbedarfszuschlägen oder, dass sich die Mutter beurlauben lassen kann, wegen Kindererziehung. Während dieser Beurlaubung kann sie aber ganz normal ihr Studium durchziehen, wenn sie das will und da auch Prüfungen ablegen. Sie muss im Studium nicht pausieren, wie das früher der Fall war. Während sie beurlaubt ist, hat sie, so wie alle beurlaubten Studierenden, keinen Anspruch mehr auf BAföG. Sie kann während dieser Beurlaubung ggf. ALGII beim Jobcenter beantragen.

Dann gibt es noch das Elterngeld, das ist meistens bekannt, ebenso wie das Kindergeld, welches die meisten noch von zu Hause aus kennen. Dann gibt es noch den Kinderzuschlag zum Kindergeld, wenn die Eltern nachweisen, dass sie sich selber finanziell über Wasser halten können aber für das Kind nicht genügend Geld vorhanden ist. Ähnlich wie beim Wohngeld wird hier ein Mindesteinkommen benötigt.

Wie alt sind die Eltern, wenn die zu Ihnen kommen? Befinden diese sich eher am Anfang vom Studium oder eher gegen Ende?

Da kann ich schlecht etwas zu sagen. Das zieht sich eher quer durch alle Semester. Aber ich versuche da immer Mut zu machen, egal an welchem Zeitpunkt die Studierenden zu mir kommen.

Studium und Kindererziehung ist zwar nicht gerade ein Kinderspiel, man muss da einiges an Organisationstalent mitbringen, um das alles geschaukelt zu bekommen. Besonders durch die neuen Studiengänge haben sich die Stundenpläne schon stark verändert, da war es früher etwas leichter die Veranstaltungen zu jonglieren.

Früher waren die Halbtagsplätze sehr beliebt und heute sind eher die Ganztagsplätze gefragt, weil eben die Vorlesungen quer über den Tag liegen und Anwesenheitspflicht besteht. Leider ist eine flexible Betreuung von Wochentag zu Wochentag nicht möglich. Bei kleineren Kindertagesstätten ist das durchaus manchmal möglich. Bei der Katholischen Hochschule gibt es zum Beispiel eine Elterninitiative in Zusammenarbeit mit Dozenten und Dozentinnen, die ein bisschen flexibler ist.

Welche Angebote bieten die Hochschulen selber?

An der Katholischen und der Evangelische Hochschule gibt es eben Elterninitiativen, wobei Einrichtung der Evangelischen Hochschule an die Pfarrgemeinde, bzw. das Diakonische Werk angegliedert ist.

Ansonsten bieten die Hochschulen selber keine Kinderbetreuung an, sondern berufen sich hier auf den gesetzlichen Auftrag des Studierendenwerks, sich um alle sozialen Belange neben dem Studium zu kümmern, während die Hochschulen selber ja nur für das Studium zuständig sind.

Eine kleine Ausnahmen bilden hier die PH Campinis, die noch direkt an die PH angegliedert sind.

Gibt es etwas, was Studierende, die ein Kind erwarten, unbedingt noch wissen müssen?

Ich würde auf jeden Fall versuchen so früh, wie möglich eine Beratungsstelle aufzusuchen. Sie können zu mir kommen, sie können natürlich auch zu Pro Familia, zum Sozialdienst Katholischer Frauen oder zum Diakonischen Werk gehen.

Ich würde auch empfehlen zu diesen Beratungsstellen zu gehen, da es über die Bundesstiftung Mutter und Kind für Mütter in einer finanziellen Zwickmühle, die Möglichkeit gibt einen finanziellen Zuschuss z.B. für Erstausstattung zu bekommen. Voraussetzung dafür ist eben ein Beratungsgespräch in einer dieser Beratungsstellen, dort gibt es auch den Antrag und Hilfe bei der Antragstellung.

Wir danken Herrn Hermle für das nette Gespräch und die geduldige Beantwortung unserer Fragen.

Herrn Hermle findet Ihr in der Schreiberstraße 12-16 in Zimmer 002 im EG.

Sprechzeiten:
Mo + Di 09:00-12:00
Do 09:00-12:00 und 13:30-16:00
sowie nach telefonischer Vereinbarung

Weitere Infos zum Thema ‚Studieren mit Kind‘ findet ihr noch auf der Homepage des Studierendenwerks: http://www.swfr.de/de/studieren-mit-kind/

Dieses Interview entstand in Zusammenarbeit mit unserer neuen Blogger-Kollegin Julia.

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