Reiseträume aus Marokko

Die Semesterferien neigen sich langsam aber sicher dem Ende zu. Es ist die richtige Zeit im Jahr um sich von stupiden Nebenjobs und Hausarbeiten zu verabschieden und den schönen Momenten dieser Zeit noch einmal verträumt hinterher zu winken. Erinnerungen an Reisen in Fotoalben zu konservieren und sich Tagträumen hinzugeben. Wenn ich die Augen zumache, sehe ich immer noch Szenen aus meiner Reise nach Marokko vor mir. Die sehen meistens so aus:

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Das Taxi schaukelt hin und her. Ein alter Mercedes überholt uns, gefolgt von einem Esel der mit einem Haufen Teppichen beladen ist. Ich würde gern wissen, woher der seinen Weg kennt, so ganz alleine. Mein Fahrer lächelt nur seltsam beseelt vor sich hin und erklärt mir, dass wir so in einer Stunde da sein werden. Ich weiß noch nicht so richtig wie ich mich ihm gegenüber verhalten soll. Wie war das nochmal mit Männern und Frauen in der arabischen Welt?
Ich bin überfordert.
Endlich sind wir da. Ich bezahle 200 Dirham, steige aus und steh mitten auf dem Marktplatz von Tagazought, einem kleinen Fischerdorf in Marokko.

Es ist wunderschön hier. Jeden Tag scheint die Sonne und auf den Straßen trifft man Menschen mit unglaublich schlechten Zähnen, die trotzdem die ganze Zeit lachen.
Mindestens fünf mal täglich trinken wir viel zu süßen Tee und so gehen die Wochen vorbei.

„Die Europäer haben die Uhren, wir haben die Zeit“ besagt ein afrikanisches Sprichwort. Meine Armbanduhr hätte ich auf jeden Fall zuhause lassen können. Die Dinge bewegen sich hier nach einer anderen Einheit. Aber sie bewegen sich, ja sie verrenken sich manchmal sogar fast in einem seltsamen Spagat aus Moderne und Tradition. Am Strand suchen burkatragende Frauen den Schatten. Daneben spielt ein Mädchen in Hotpants, durchsichtigem goldenem Oberteil und Kopftuch mit ihren Brüdern Fußball.
Wir schauen uns mit einem alten Nomaden mitten in der Sahara youtubevideos an und ein paar Tage später wandern durch kleine Bergdörfer die erst seit wenigen Jahren Zugang zu Wasser und Strom haben.
Mein marokkanischer Bekannter erklärt mir, dass seine Schwester zwar zur Uni geht, aber erst nachdem sie geheiratet hat aus dem Haus gehen wird. Um die Ecke kassiert die Polizei ein Smartphone von einem Touristen ein, einfach nur weil sie es kann.

Es gibt vieles was mich nachdenklich macht.
Trotzdem lullt mich die Schönheit des Landes und die Herzlichkeit der Menschen ein wie eine warme Wolldecke. Und als ich in den Dünen über die unendlich scheinende Sandlandschaft blicke kommt mir mein Leben in Deutschland so weit weg vor wie noch nie.

Vielleicht hätte ich meine Armbanduhr einfach dort liegen lassen sollen. Stattdessen muss ich aufstehen, denn bald warten im regnerischen Freiburg wieder die Uni und die Arbeit auf mich. Für die ganz besonders langen und dunklen Tage in den Hörsälen werde ich die sonnigen Erinnerungen aber nicht nur in meinem Fotoalbum, sondern auch in meinem Kopf behalten. Um sie nach Bedarf herauszuholen, wenn alles zu viel wird. Denn dafür sind schöne Erinnerungen ja schließlich da.

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