Pura Vida, Mae – Einmal Entschleunigung für die Semesterferien bitte!

Ende Oktober, das neue Semester nimmt stetig Fahrt auf und ganz verloren zwischen To-do-Listen und Einhaltefristen driften die Gedanken manchmal ab. Und dann versinkt man, in Reiseplänen für die Semesterferien oder eben einfach nur in Ideen darüber, wo es jetzt gerade bestimmt viel wärmer, heller und aufregender wäre.
Meine Reiseempfehlung gilt einem Land, auf das dies derzeit sicher zutrifft:

Costa Rica. Die Schweiz Lateinamerikas. Oder auch, wenn man den Einheimischen Glauben schenken will, das Land mit den glücklichsten Menschen der Welt.

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San José ist, trotz ihres Hauptstadtstatus vermutlich nicht der Grund, warum jährlich etwa 1,5 Millionen Touristen den stundenlangen, beschwerlichen Luftweg nach Costa Rica auf sich nehmen. Hier wird ernstes Business gemacht, das Zentrum ist untypisch farblos und Backpacker scheinen sich lediglich zum Partymachen hierher zu verirren. Die wochenendlichen Bauernmärkte, die „Feria del Agricultor“ kann ich allerdings jedem kurzweilig verbleibenden nur wärmstens an Herz legen. Hier erstrahlen sattgelbe Platanos (Kochbananen) neben saftig-dunkelroten Wassermelonen und struppigen Ananas um die Wette. Man darf überall exotisches und immerfrisches Obst und Gemüse probieren und kann sich ganz nebenbei schonmal langsam daran gewöhnen, dass man hier als Europäerin von den Männern bepfiffen und für muy muy guapa gehalten wird.

Nach einigen Tagen bei einer Freundin in San José machte ich mich auf den Weg zu meinem eigentlichen Reiseziel Puerto Viejo. Nach fünfstündiger Fahrt durch nebelverhangene Regenwälder und atemberaubend enge Serpentinen erreichte ich schließlich, fühlbar durch einen Temperaturanstieg von mindestens 15 Grad, die Karibikküste.

Das erste, was der Besucher von Übersee schon aus den milchigen Busfenstern von der Karibik sehen wird, sind die mal hellgelb, mal schwarz besandeten aber immer von üppigen Palmen umgebenen Strände, die noch verführerischer als im Lonely Planet beschrieben, schon aus der Ferne zu winken scheinen. Hier, ob an „Playa Chiquita“, „Punta Uva“ oder „Playa Cocles“ steht weit und breit kein Hotel, das das naturbelassene Panorama stören könnte, nein. In den Waldstücken hinter den Stränden toben Flora und Fauna. Man hört Brüllaffen schreien, sichtet Faultiere an Lianen lethagieren und spätestens wenn man dem 10. Krebs beim sich verbuddeln zugeschaut hat, fängt man an sich mehr und mehr in diesen Ort zu verlieben.

Abends dann folgt man dem Marihuanaduft, welcher in der Karibik als Teil der Rastakultur toleriert, gar zelebriert wird, in eine der wenigen Bars, die hier grundsätzlich draußen und in Meeresnähe liegen. Zum Eingrooven spielt der DJ feinsten Reggae, welcher später von längst vergessenen 2000er Tunes von Usher, Ashanti und co. abgelöst wird. Der weibliche Teil des größtenteils aus Einheimischen bestehenden Publikums zelebriert dies mit Twerking-Einlagen, bei dem Miley Cirus vor Neid schier platzen würde. Die Männer hingegen tasten, mit von Stunde zu Stunde hartnäckiger werdender Vehemenz, ab bei welcher von der Happy Hour gut angeheiterten Touristin sie an diesem Abend wohl landen können.

Natürlich lässt sich in Puerto Viejo noch viel viel mehr erleben. Man kann krokodilreiche Flüsse abraften, sich mit Privatlehrer und viel Körperkontakt beim Wellenreiten probieren, den Regenwald erkunden, Bribri-Indianern beim Schokoladefabrizieren zuschauen und und und.

In meinen knapp sieben Wochen in Costa Rica habe ich unter anderem eine Sprachschule besucht und in einer Grundschule Englischkurse gegeben. Alles um mich herum war farbenfroh,bestaunens- und liebenswert. Und wenn mal wieder Wasser oder Strom ausgefallen sind, oder eine Vogelspinne sich ins Haus verirrt hatte, kommentierten die Einheimischen das schulterzuckend und breit grinsend mit ihrem Lieblingsausdruck „Pura Vida“. Nie hätte ich gedacht, dass mich zwei Wörter einmal so entspannen könnten.

Und ist es nicht genau das, was man sich als hart arbeitender, von der Bologna-Reform dauergepeinigter Studi sehnlichst für seine Semesterferien wünscht? Abstand und Gelassenheit, und vielleicht ein bisschen „Rasta Love“ im Ohr…

 

 

Infobox:

Im August, September und Oktober kosten die Flugtickets von Delta, Iberia und co. nach Costa Rica nur die Hälfte des Hauptsaisonpreises . An der dann weniger besuchten Karibikküste ist in diesen Monaten aber trotzdem Trockenzeit und auch im restlichen Land lässt es sich bei über 25 Grad und einem Regenschauer ab und zu sehr sehr gut aushalten.

 

 

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