Hinter den Kulissen von Mondo – ein Portrait des musikalischen Leiters

Im Januar 2015 startet sie, die Neuauflage des Musicals „ENDLICH FREIburg“ der Mondo Musical Group. Es geht um Lena, eine Erstsemesterstudentin, die in Freiburg ankommt und mit allerlei Neuem konfrontiert ist: Chaos bezüglich der Wohnsituation, Studium, neue Stadt, neue Leute. Auf dieser Situation, mit der viele Studierenden zu Beginn ihres Studiums konfrontiert sind und der Frage, wie sich das alles entwickelt, basiert „ENDLICH FREIburg“.

Das Musical besteht – wie jedes Musical – aus unterschiedlichen Komponenten, neben Tanz und Text ist die Musik eine ganz entscheidende. Und wer kann dazu besser Auskunft geben als der musikalische Leiter, Rafael Orth? Mit ihm habe ich mich in der Mensa im Institutsviertel getroffen, an seinem Arbeitsplatz, einem weißen Klavier vor einer Wand, an der Aufladegeräte für die Mensakarte hängen, alles getaucht in grelles Licht, was das spezielle Ambiente des Fotos erklärt.

Bild 1Warum leitet eigentlich ein ausgebildeter Pianist ein Musical, das mit Laiendarstellern und -darstellerinnen besetzt ist? Als Antwort hätte sich zurückfragen lassen: „Warum denn nicht?“. Aber die Antwort habe ich zum Glück nicht bekommen. Rafael Orth ist 2011 zu Mondo gekommen. Er kannte die damalige musikalische Leiterin, auch eine Pianistin und als sie aufgehört hat, hat sie ihn gefragt, ob er den Job übernehmen würde und das hat er. Seitdem arrangiert er Stücke für das Musical oder komponiert selbst. Dabei ist Musical eigentlich gar nicht so seins, zumindest keine neueren Rockmusicals, da treffen Musicals, wie die von Leonard Bernstein, Frank Loesser und Kurt Weill eher seinen Geschmack. Deshalb bedient er sich auch am liebsten hier, bei Musicals aus den 40er und 50er Jahren, wenn er nach Inspirationen für Mondo sucht. Aber das besondere an dem Genre Musical ist gerade die Offenheit. Eigentlich geht da stilistisch sehr viel und das nutzt die Mondo Musical Group auch und kombiniert Musical-Klassiker mit Heavy Metal, Hip Hop-Stücken, Rock und Pop und elektronischen Arrangements.

Und wie lange dauert das, so ein Stück zu komponieren? Manchmal einen Monat, erklärt mir Rafael Orth und berichtet von einem Stück, das er, wie alle Stücke, in enger Absprache mit der Choreographin immer wieder überarbeitet hat. Wenn das Lied für den Tanz noch ein paar Takte brauchte oder eine bestimmte Gestik, die sich die Choreographin vorgestellt hat, noch eines besonderen musikalischen Ausdrucks bedurfte. Für die Kompositionen und mp3-Versionen für die unterschiedlichen Gesangsstimmen arbeitet Rafael Orth mit mehreren elektronisch angeschlossenen Keyboards. Mit denen ersetzt er notfalls auch noch Teile der Band, wenn Instrumente ausfallen. Allerdings würde er gerne darauf verzichten bei den Auftritten von Mondo im Januar auch die Trompeten und Posaunen zu kompensieren. Diejenigen, die diese Instrumente spielen können, sind daher an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich aufgerufen, sich bei der Mondo Musical Group zu melden.

Was kann ein professioneller Pianist wie Rafael Orth eigentlich bei einem Musical mit Laiendarstellerinnen und -darstellern lernen? Einen realistischeren Zugang zur Musik, sagt er. Eigentlich kommt er aus der Klassik, was bei einem Pianisten vielleicht auch nicht sonderlich überraschend ist. Mir fällt ein, dass ich letztens im Radio gehört habe, dass Klassikkonzerte von Leuten unter 30 Jahren kaum besucht werden. Klassik hat häufig den Ruf des Elitären, manchmal vielleicht zu Unrecht, aber das Publikum eines Klassikkonzertes überschneidet sich wahrscheinlich in der Regel selten mit dem eines Musicals. Und genau das meint Rafael Orth mit einem realistischeren Zugang zur Musik. Über die Arbeit mit und an Mondo hat er nochmals deutlicher festgestellt, dass Musik mit Gesang zu der beliebteren Musik gehört. Womit es eine Art von Musik ist, mit der sich mehr Menschen erreichen lassen, als mit der Aufführung einer Symphonie für Streicher. Gerade da liegt vielleicht auch das Besondere am Musical, hier ist es möglich unterschiedliche Musikstiele und verschiedene Elemente miteinander zu kombinieren und so erreicht man vielleicht auch gerade hier ein Publikum, das für klassische Avantgarde offener ist, als das Klassikpublikum für Hip Hop – wie gesagt, vielleicht.

Und was macht ein musikalischer Leiter so, wenn er nicht gerade für die Mondo Musical Group arbeitet, spielt, komponiert oder in Einzelbetreuung mit den Darstellerinnen und Darstellern die Stücke einstudiert und am Gesang feilt? Eine Zeitlang hat Rafael Orth klassische Konzerte gespielt und selbst unterrichtet. Im Moment arbeitet er an eigenen Stücken und spielt Komponisten, die einen etwas geringeren Bekanntheitsgrad als Mozart, Beethoven und Bach haben und dann ist da noch diese Idee, irgendwann mal ein eigenes Musical zu schreiben. Aber jetzt ist die Mondo Musical Group mitten in den Proben, bevor es dann am 08.01.2015 wieder losgeht mit „ENDLICH FREIburg – Reloaded“ und mir bleibt nur zu sagen: hingehen lohnt sich bestimmt, allein schon wegen der Musik!

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