4. Advent – die Schwierigkeit über Weihnachten zu schreiben

Ein Blog-Beitrag zum 4. Advent legt mehr oder minder ein Oberthema nahe und zwar Weihnachten. Aber was gibt es da noch zu schreiben, über dieses christliche Fest zu dem irgendwie schon alles gesagt zu sein scheint?

Vor dem Hintergrund entsprechender Schwierigkeiten bezüglich der originellen Unterthemenfindung, habe ich mich zunächst einmal umgeschaut, was „weihnachtliche“ Themen eigentlich so sind:

1. Da wäre zunächst die alljährliche Frage, warum „Last Christmas“ eigentlich immer schon ab Oktober in den Supermärkten gespielt wird und warum spätestens ab dann auch die Schokoladen-Themenfiguren in den Regalen stehen. Die Frage wird – wie jedes Jahr – kontrovers diskutiert von denjenigen, die das für eine gute Sache halten und denjenigen, die „Last Christmas“ nicht mehr hören können. Immerhin habe ich in diesem Jahr gelernt, dass das Lied eigentlich „Last Easter“ heißen sollte, allerdings aufgrund von „Verzögerungen im Betriebsablauf“ – oder so ähnlich – umgedichtet und neu arrangiert wurde.

2. Zum Thema „Last Christmas“ bietet sich auch ein Ranking von Weihnachtsliedern und Weihnachtslied-Coverversionen an, wahlweise als Positiv- oder Negativliste. „Let it snow“, „Rudolph, the red nosed reindeer“ und „In der Weihnachtsbäckerei“ ließen sich bestimmt, je nach Belieben, irgendwo in einer der Listen einordnen.

3. Ein weiteres breit diskutiertes Thema sind Weihnachtsmärkte. Da sind grundsätzlich verschiedene inhaltliche Aspekte denkbar, wie beispielsweise die Ergebnisse eines Glühweintesttrinkens, Anmerkungen über die vorhandenen Menschenmassen oder eine Auflistung und Bewertung des vorhandenen Standangebotes untermalt von instrumentell vielfältigen – manches Mal auch sehr eigenwilligen – musikalischen Interpretationen von „O-Tannenbaum“ bis „Ihr Kinderlein kommet“.

4. Denkbar wären auch Tipps für Lastminute-Weihnachtsgeschenke. Da ist der 4. Advent, gerade, wenn es so fällt wie in diesem Jahr, auch ein ideales Datum für. Allerdings fällt mir zu dem Thema auch nichts anderes ein, als die alljährliche Schlange vor Parfümerieketten, die von der Länge her ungefähr der an manchen Tagen vor der Mensa Rempartstraße entspricht.

5. Da dem Essen in der Weihnachtszeit eine große Bedeutung zukommt – schließlich verbringen einige Menschen damit an den Feiertagen nachweislich sehr viel Zeit, sind Blog-Beiträge über die richtige Zubereitung von Gänsen nahezu unentbehrlich. Dass in Niedersachsen ausgerechnet jetzt Vogelgrippe-Viren nachgewiesen worden sind, kommt vielleicht zu einem taktisch etwas ungünstigen Zeitpunkt – wobei, den Gänsen dürfte das relativ egal sein. Aber neben den Gansrezeptvorschlägen gibt es ja ansonsten auch noch viele weitere Alternativideen für vegetarische und vegane Weihnachtsmenüs auf zahlreichen „Food-Blogs“.

6. Zu nennen ist dann noch die Variante des moralischen Advent-Blog-Beitrags. Beispiele hierfür finden sich in zahlreichen Reportagen über Weihnachtsfeiern in der Seemannsmission, Weihnachten für wohnungslose Menschen, Weihnachten im Krankenhaus, auf dem Militärstützpunkt oder im Gefängnis. Darüber würde ich schreiben, wenn ich darüber mehr wüsste, wenn ich mit Menschen gesprochen hätte, die Weihnachten in einer der genannten Institutionen verbringen. So bleibt mir nur, als Titelbild den Weihnachtsbaum vor dem Gefängnis auszuwählen. Wobei die Gefangenen von diesem Baum wahrscheinlich nicht unbedingt viel haben.

7. Es ließe sich auch etwas über die zahlreichen Spenden- und Charity-Aktionen schreiben, die von Zeitungen, Fernseh- und Radiosendern initiiert werden.

8. Sehr beliebt sind auch Analysen des Film- und Fernsehprogramms. Hier wird so ziemlich alles abgedeckt von Märchenfilmen, über Komödien, in denen ein Mensch Weihnachten nicht besonders positiv gegenübersteht und wahlweise ein Kind oder ein Hund die Person eines Besseren belehrt, bis hin zu Loriot mit dem Geschenkklassiker „AKW zum Selberbauen“ und, nicht zu vergessen: Die Kanzlerin und ihrer Weihnachtsansprache.

9. Und ja, vor dem Hintergrund dessen, dass um die Weihnachtszeit nachweislich sehr, sehr viel eingekauft wird, wäre auch ein konsumkritischer Blog-Beitrag sicherlich sinnvoll.

Aber zu all diesen Themen gibt es schon so viele Blog-Beiträge, dass ein weiterer unweigerlich wie einer zu viel wirkt. Und da eigentlich alles gesagt scheint und Bücher ja auch ein beliebtes Weihnachtsgeschenk sind, habe ich mich zu einer Ausweichtaktik entschieden und mich der Frage gewidmet, was das Bücherregal zu Weihnachten sagt.

Da wäre zunächst eine Nachricht der Autorin Violet Trefusis an Vita Sackville-West: „Ich wünschte, Du würdest Weihnachten mit mir verbringen, so sehr ich es auch hasse. […] Zu Weihnachten solltest Du ein geklautes Hähnchen an einem verräterischen Lagerfeuer essen“.

Auf der anderen Seite dann Wolfgang Herrendorfs Beschreibung seines letzten Weihnachtens: „Spaziergang allein am Kanal, Invalidenfriedhof, Charité-Mitte, Torstraße, die alte Wohnung, uninteressant, Kastanienallee komplett ausgestorben, keine Säufer, keine Familie, zwei Weihnachtsmänner, eine Currywurst, mit dem Taxi zurück, Klassikradio, Speech Arrest, todmüde“.

Daneben Erich Kästner mit dem wenig sentimentalen Weihnachtsgedicht: „Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!“, in dem es unter anderem heißt: „Reißt die Bretter von den Stirnen, denn im Ofen fehlt’s an Holz! Stille Nacht und heilge Nacht – Weint, wenn’s geht, nicht! Sondern lacht!“

Und zum Schluss ist da noch der freundliche Gruß in einem Brief von Adorno an einen Freund und spätestens mit dem ist – zumindest für den Moment – alles gesagt: „Hoffentlich habt Ihr ein recht schönes Fest – wir wünschen Euch alles Gute dazu und zum Jahreswechsel“.

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