Wer kümmert sich eigentlich um…

…das Studentendorf Vauban? Seit 1992 ist das die Aufgabe von Martin Keil, einem der zwei Hausmeister an diesem Standort.

Der gelernte Maler hatte über Kontakte und das sogenannte Vitamin B die Empfehlung bekommen, sich doch mal als Hausmeister für das Händelwohnheim zu melden, einfach weil es ihn interessierte und das Studierendenwerk durch den öffentlichen Dienst eine einigermaßen krisenresistente Einrichtung ist. Das hat zwar nicht geklappt, aber zumindest konnte Keil bald darauf als Maler beim Studierendenwerk anfangen. Das war 1991 und ein Jahr später kam die Frage, ob er immer noch Hausmeister werden wolle. Ja, wollte er. Und so ist er dann mit seiner Familie von seiner Wohnung am Seepark in die Vauban gezogen. Am Anfang war das durchaus eine große Umstellung, da nicht nur der Seeblick fehlte, sondern auch noch die Infrastruktur, die in der Vauban zu der Zeit quasi nicht vorhanden war.

Auch die acht Häuser des Wohnheims waren zu dem Zeitpunkt noch die reinsten Provisorien. Was für die Bewohnerinnen und Bewohner den entscheidenden Vorteil hatte, dass sie so ziemlich alles machen konnten, ohne, dass es zu Problemen kam. Die 50m² Kasernenzimmer und die Sammelduschen im Keller sind inzwischen komplett sanierten WGs mit zwei bis neun Studierenden gewichen.

Was den Job des Hausmeisters so spannend macht? In erster Linie die Abwechslung, bestehend aus Reparaturen, Wohnungsübergaben, der Sprechstunde für die Bewohnerinnen und Bewohner und dem anfallenden Papierkram. Aus Gewohnheit fängt Keil mit der Arbeit immer noch gegen 7 Uhr morgens an, das sind eben die Zeiten, die man auf dem Bau hat und auch, wenn er das heute nicht mehr müsste, der Rhythmus ist eben drin. Und es hat den Vorteil, dass er morgens ungestört den Papierkram erledigen und sich auch sonst den Tag weitgehend frei einteilen kann.

Im Moment stehen wieder die Zimmerübergaben an. Im Büro stehen Farbeimer und Rollen zum Streichen, die die Bewohnerinnen und Bewohner kaufen und sich ausleihen können. Eigentlich müsste er mit geschlossenen Augen die Zimmerabnahmen machen, meint Keil, denn manchmal, wenn in den Eimern kaum Farbe fehlt, und er sich dann die gestrichenen Wände anschaut, dann würde sein Malerherz bluten. Aber es gibt auch die Fälle, wo er beeindruckt vom Ergebnis ist und in das Übergabeprotokoll schreibt, dass „sehr gut gestrichen“ wurde – Lob muss auch sein, findet er.

Ob es Sachen gibt, die nicht so gut laufen? Sicher gibt es die. Zum Beispiel das Müllproblem. Aus ungeklärten Gründen gibt es Bewohnerinnen und Bewohner, die den entsprechenden Sammelbehälter nicht finden und so landet der Hausmüll auch schon mal beim Sperrmüll, im Streugutbehälter oder beim Müll der Nachbarschaft. Das ist aus Keils Sicht noch optimierungsfähig. Wobei Konflikte mit den Anwohnerinnen und Anwohnern immer mal wieder auftreten. Was einfach daran liegt, dass die Häuser sehr nah aneinander gebaut sind. Hier muss Keil dann zwischendurch auch mal Vermittler sein.

Schwierigkeiten treten auch dann auf, wenn die Bewohnerinnen und Bewohner versuchen die Probleme selbst zu lösen, weil sie ihn nicht immer nerven wollen. Dabei sagt Keil ausdrücklich, dass sie mit allem zu ihm kommen können, egal ob der Abfluss verstopft ist oder es Probleme in der WG gibt. Aber wenn sie ihn immer rufen würden, dann gäbe es auch weniger zu erzählen. Zum Beispiel würde dann die Geschichte von den Studierenden fehlen, die einen völlig vereisten Kühlschrank retten wollten, indem sie mit einem Schraubenzieher das Eis herausgepickelt haben. Leider haben sie dabei die Kühlschlange gleich mit perforiert, so dass der Kühlschrank nicht mehr zu gebrauchen war.

Insgesamt sind es wohl vor allem die Bewohnerinnen und Bewohner, die den Job für den Hausmeister zu einem besonderen machen. Zu vielen Ehemaligen hat Keil – facebook sei Dank – noch heute Kontakt, weil sich so eine Art Vater-Sohn- oder Vater-Tochter-Verhältnis herausgebildet hat. Auch das Aufeinandertreffen der verschiedenen Kulturen hat für Keil seinen Reiz, selbst wenn es Situationen gibt, in denen Sprachbarrieren zur Herausforderung werden, aber die lassen sich ja bekanntlich lösen.

Was ihm dabei definitiv nie ausgeht, sind die Anekdoten aus 23 Jahren Hausmeistertätigkeit, vielleicht ist auch das einer der Gründe, aus denen Keil sagt, dass er es nie bereut habe, seinen Job als Maler gegen den des Hausmeisters eingetauscht zu haben, auch wenn ihm zu Beginn viele gesagt hätten, dass er einen großen Fehler machen würde. Heute kann er sich sicher sein, dass es keiner war.

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