10 Punkte für einen gelungenen Kurzfilmabend

Beim gestrigen Video Slam in der MensaBar trafen Filmfreunde auf Filmemacher und kühle Getränke auf gute Stimmung. Ein Bericht über einen Abend mit gelungenen Kombinationen und studentischen Kurzfilmen, für die die Leinwand nicht hätte groß genug sein können.

Das Konzept hinter dem Video Slam ist relativ simpel. Filme unter 30 Minuten Spielzeit werden eingereicht und dann ohne Vorauswahl dem anwesenden Publikum gezeigt. Dieses bekommt in Gruppen Täfelchen mit Zahlen von 1 (unfassbar schlecht) bis 10 (für sehr gut befunden) ausgeteilt, nach denen die Filme direkt nach dem Schauen bewertet werden. Danach kommt das Filmteam auf die Bühne um die Fragen des wissbegierigen Publikums und des Moderators Felix Günther zu beantworten.
Der vom Publikum mit den meisten Punkten bewertete Gewinnerfilm bekommt eine Flasche superb-Sekt vom Studierendenwerk gesponsert und qualifiziert sich außerdem für die Endrunde der Videoslamsaison. Beim Grand Slam gilt es dann den wirklich großen Preis zu ergattern, denn der Gewinner aller Gewinnerfilme wird im Vorprogramm des Freiburger Filmfests gezeigt.

Szene aus

Szene aus dem Film „Alles was bleibt“ von Sarah Ziegler, Mira Schlenker, Lena von Andrian und Josephine Mackensen.

Der Zufallsgenerator bestimmt an diesem Abend den Kurzfilm „Alles was bleibt“ zum Startfilm. Ein in die Jahre gekommener Mann möchte darin die Erinnerung an seine Jugendliebe festhalten und sucht dafür einen Maler auf, der ihr Gesicht aus seinen Erinnerungen auf der Leinwand festhält. Schöne Bilder, eine romantische Geschichte mit tragischem Ausgang. „Fast zu Tränen gerührt“ hat der Film einen Zuschauer in einer der mittleren Reihen. Er vergab satte 10 Punkte für die drei Medienkulturwissenschaftlerinnen, die den Film im Rahmen ihres Praxisseminars produziert hatten.
Allgemein bleibt das Publikum jedoch in kritischer Anfangsstimmung und vergibt 33 von 50 möglichen Punkten.

Szene aus

Szene aus dem Film „Snapshot Jasper“ von Leonie Gies, Sophie Glawe und Clara Hense.

Aus dem selben Seminar stammt der nächste Film „Snapshot Jasper“. Jasper räumt auf und findet allerlei Zeugs hinter dem WG-Sofa. Ein altes Foto transportiert ihn zurück in die Zeit mit seinen alten Mitbewohnern. Freunde, Partys, Kotzen und der Fakt, dass sich die anderen beiden Wohnungskollegen besonders gern haben, was Jasper wiederum nicht so toll findet.
Beim Gespräch mit den Filmemachern kommt schnell die Frage auf, wie viel Biografie sich hinter der Geschichte versteckt. Gedreht wurde die Geschichte nämlich bei Filmemacherin Clara zu Hause- mit ihren eigenen Mitbewohnern. Stimmen aus dem Publikum beschrieben den Film als „schon gut und amüsant“, insgesammt wurden 27 Punkte vergeben.

Szene aus

Szene aus dem Film „Origami“ von Julia Kanthak, Doreen Peßler, Philipp Reichenbach und Olivia Ryad.

Ebenfalls in vergangenen Zeiten schwelgt der Hauptdarsteller des nächsten Films „Origami“. Nachdem er seine Familie verloren hat verfällt dieser in ein tiefes Depressionsloch, aus dem er erst mit Hilfe des Nachbarskind wieder herrausklettern kann.
Eine ein wenig verwirrende Storyline, vor allem da sich die beiden Kinder im Film sehr ähnlich sehen. Zum Glück kann man da nochmal nachfragen. Die ebenfalls medienkulturwissenschaftlichen Filmemacher erklären den Sachverhalt der Geschichte auf der Bühne noch einmal, ein großes „Aha!“ wird im Publikum laut und es werden 33 Punkte vergeben.

Szene aus

Szene aus dem Film „Studentensafari“ von Beate Müller und Dominique Spannagel.

Der nächste Film stammt aus Furtwangen. „Studentensafari“ unternimmt eine Reise durch den Hörsaal, in dem sich Arten wie der vor sich hin schlafende „Schläfchenzähler“, der laut protestierende „Unirevoluzzer“ oder der „Entertainer“ tummeln.
Das GLF Campus TV der Hochschule Furtwangen ist des Öfteren beim Videoslam vertreten. Als fördernd für die hohe Filmproduktivität betrachtet Filmemacherin Beate die mangelde Ablenkung durch andere möglichen Aktivitäten in der eher weniger pulsierenden Furtwanger Umgebung. Das Publikums fühlt sich von „Studentensafari“ sichtlich unterhalten und vergibt 34 Punkte.

Szene aus

Szene aus dem Film „Frank“ von David Förster und Johannes Heitmann.

Zu bereits fortgeschrittener Stunde folgt, nach einer schnellen demokratischen Abstimmung, ein sehr kurzer Kurzfilm. „Frank“ ist im Rahmen des 99 Fire Films Award 2015 entstanden, bei dem die Teilnehmer innerhalb von 99 Stunden einen 99 Sekunden langen Kurzfilm drehen. Die Themenvorgabe „Was ich schon immer mal tun wollte“ wurde von der Hauptperson „Frank“ verkörpert, der im Zuge einer wilden Partynacht in der Erika Bar schon immer mal eine interessante Frau kennenlernen wollte. Das Urteil aus dem Publikum: 28 Punkte.

Nach der Pause ist vor der Pause beim Video Slam in der MensaBar

Nach der Pause ist vor der Pause beim Video Slam in der MensaBar

Nach einer kurzen Verschnaufs- Erholungs- und Raucherpause steht der längste Film des Abends auf dem Programm: „Den Regen im Blick“. Leider hat die Technik auf dem Weg in die Pause wohl ihre Funktionalität verloren. Das Bild ruckelt und der Ton ist auch weg. Nach einem kurzen Panikausbruch kann mit Hilfe eines aus dem Publikum entliehenen Laptop der Fehler behoben werden.

Den Regen im Blick

Szene aus „Den Regen im Blick“ von Simon Schneckenburger (Regie), Tobias Gralke (Drehbuch) und Team.

Das Warten hatte sich gelohnt. „Der Regen im Blick“ ist ein unaufgeregter Schwarzweißfilm über das Alleinsein der mit seiner subtilen Art ein wenig an Filme wie „Oh boy“ von Jan-Ole Gerster erinnert. Ein dreiviertel Jahr lang hatte Filmemacher Simon mit seinem Team an dem Film gearbeitet. Um die Regenstimmung einzufangen die sich durch die Szenen zieht musste bei den vielen Freiburger Sonnenstunden oftmals in die Trickkiste gegriffen werden. Der Film des Offenburger Studenten feierte bereits am 6. Juni 2015 seine Premiere im Kandelhof Kino und wird höchstwahrscheinlich und hoffentlich noch auf anderen Plattformen zu sehen sein. Das Video Slam Publikum verteilt jedenfalls grandiose 43 Punkte und kürt den Film somit zum Gewinner des Abends.

Szene aus

Szene aus der Dokumentation „Fleisch oder fleischlos“ von Ortwin Zimmermann, Christian Danciu und Philip Kienzle.

Beim Abschlussfilm „Fleisch oder Fleischlos“ wird den Zuschauern dann nocheinmal eine ganz andere Kost vorgesetzt. Das Team von der Hochschule Furtwangen präsentierte im „Galileo- Stil“ das  ABC der Essgewohnheiten der Deutschen. Beim Nachgespräch auf der blauen Couch wird über Fleischkonsum und veganes Grillen gequatscht und man ist sich schließlich mehr oder weniger einig, dass viel Fleisch essen nicht besonders gut ist. Das Publikum vergibt für den Einblick auf Deutschlands Essteller 26 Punkte.

So geht ein langer aber sehr schöner Abend zu Ende, die letzten Schlücke Bier werden getrunken und die letzten Schwätzchen gehalten. Mein persönliches Fazit ist: Der Video Slam ist eine wunderbare Veranstaltung zum Anschauen aber vor allem auch eine gute Plattform für alle Filmemacher, die noch was in der Schublade liegen haben. Raus damit, an die große schöne Slamleinwand! Vielleicht funktioniert der gute alte DVD- Player nächstes Mal auch wieder ruckelfrei.

Simon Schneckenburger und sein Team freuen sich über Sekt, Ruhm und Gewinnerehre.

Simon Schneckenburger und sein Team freuen sich über Sekt, Ruhm und Gewinnerehre.

Weitere Infos:

Das Finale der diesjährigen Videoslamsaison, der Video Grand Slam mit allen bisherigen Gewinnerfilmen findet am Montag, den 13. Juli 2015 um 20.30 Uhr in der Mensabar statt.

Filmeinreichungen für die nächste Saison gehen an:

Studierendenwerk Freiburg
-Video Slam-
Schreiberstr. 12 – 16
79098 Freiburg

Tel. 0761 – 2101 205, videoslam@mensabar.de

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