Herr Müller, Herr Müller, spielen wir Fußball?

Vergangenen Samstag fand in der Pädagogischen Hochschule Freiburg die „Qualifizierungsmaßnahme für G8“ statt. Das Programm, bei dem Studierende die durch verlängerte Schulzeiten entstandene Mittagsaufsicht an Freiburger Gymnasien übernehmen, befindet sich bereits im 11. Jahr. Künftige Betreuende lernten bei der Schulung wer wann wofür haftet, wie sich durch simple Spiele Gruppendynamiken offenbaren, und dass sie auf keinen Fall mit ihrer Aufsichtsgruppe an die Dreisam gehen sollten.

Etwa vierzig Studierende, die es geschafft haben, sich den Hürden „früher Morgen“ und „gutes Wetter“ zu widersetzen, sitzen an diesem Samstag Morgen im Kleinen Auditorium der PH. Sie wollen heute auf ihren neuen Job als Schülerbetreuende während der Mittagspausen vorbereitet werden. An neun Freiburger Gymnasien werden die Studierenden gruppenweise an einem festen Tag in der Woche für zwei bis drei Stunden die Betreuung der Schülerinnen und Schüler zwischen Vor- und Nachmittagsunterricht übernehmen. Die meisten reizt es dabei, während ihres Studiums einmal aktiv und kreativ mit Schülern arbeiten zu können. Aus diesem Grund besteht die Gruppe zu einem großen Teil aus Lehramts- und bildungswissenschaftlichen Studierenden, welche für die Betreuungstätigkeit Scheine erwerben können.

Pädagogisch wertvoll spielen

Nach einer organisatorischen Einführung durch Elke Martin vom Studierendenwerk startet der Schulungsleiter Felix Schall den Morgen mit einem Kennenlernspiel. Das „Dreieck der Gemeinsamkeiten“ soll zu einer positiven und vertrauten Gruppenatmosphäre führen. Tatsächlich erwärmt sich die verschlafene Stimmung im Saal ein wenig. Spiele wie dieses mit noch weit abstruseren („Der Gordische Knoten) oder abenteuerlicheren („Kevin allein zuhaus“) Namen werden im Laufe des Tages ausgiebig getestet und den künftigen Betreuern als kleines Repertoire an pädagogisch wertvollen Spielen mit an die Hand gegeben.

Beim anschließenden Austausch in den Schulgruppen geben die „alten Betreuungshasen“ schon gleich die ersten Anekdoten von gewieften Schülertricks für eine längere Computerzeit zum besten und präsentieren eine Liste der beliebtesten Spiele auf dem Pausenhof : Fußball.

Wer haftet für ihre Kinder?

Herr Behrens, der Schulleiter des Kepler Gymnasiums gibt in einer theoretischen Einheit wichtige Informationen zum Thema Haftung und Aufsichtspflicht. Die Mittagsbetreuung steht unter der Gesamtverantwortung der Schulleitenden, was die Betreuenden rechtlich entlastet. Als Betreuende sei man vor allem sozial dafür da, dass die Schüler in ihrem langen Schulalltag zu einer entspannten Pause finden können. Die Schüler kämen dabei schon mal auf verrückte Ideen, was die Gestaltung der Mittagspause betreffe. Dass man sich aber nicht zum Planschen in der Dreisam überreden lässt, versteht sich für Herrn Behrens von selbst und auch sonst würde einen der gesunde Menschenverstand meist vor grob fahrlässigem Verhalten bewahren. Der Schulleiter betont die enge Zusammenarbeit zwischen den Betreuenden und Lehrern – im Schuljahr sind mehrere Termine zur Reflexion eingeplant und zwischendurch erheitert er mit lebhaften Geschichten zu gestohlenen Schulränzen und der Notwendigkeit einer medialen Aufklärung in der Schule.

Wo lauern die Konflikte? 

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der G8 Qualifizierungsmaßnahme ist das Thema Konfliktbewältigung.Hierbei sollen sich die Studierenden zu Beginn erst einmal in den heutigen Alltag eines Schülers hineindenken. Wenn morgens um sechs im Halbschlaf die Facebooklikes des letzten Profilbildupdates gecheckt werden, Mama vielleicht nicht in jedem Fall ein perfektes Schulbrot zaubert und in einer 15 minütigen Pause ganze Freundschaften zerbrechen können, kann der Stresspegel ein anderer sein, als man es als Studierender erwarten würde. Kleinere und größere Probleme der Schüler zu erkennen, dafür sollen die Teilnehmenden sensibilisiert werden. Oft können sie aufgrund ihrer gesonderten Rolle als Bezugsperson mit sensiblem Fingerspitzengefühl viel ausrichten.

Ob man während der Mittagszeit also nun durch den Gordischen Knoten die Rollenstrukturen einer Klasse testet, ein großes Fußballturnier startet, oder einem dreizehnjährigen die Angst vor der nächsten Klassenarbeit ausredet, die Studierenden können ihre individuellen Stärken und Interessen in die Betreuung einbauen und mit ihrem Engagement den Ganztagsschulstress der Schüler ein bisschen erträglicher machen.

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Wie im Klassenraum lauschen die Studierenden den Spielinstruktionen von Felix Schall.

Info:

Derzeit sucht das Studierendenwerk noch nach Interessierten für die Wartelistenplätze. Kontakt: martin@swfr.de

Was ist überhaupt diese Mittagsbetreuung und wer hat sich das ausgedacht? Einen ausführlichen Informationsartikel zum Betreuungsprogramm findet ihr unter diesem Link.

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