Vauban, Beer and Handshakes – Ein Abend deutsch-amerikanisches Tandem

„In San Diego we do like this.“ Brendan zeigt mir, wie junge Leute in San Diego sich die Hand geben. Ich zeige ihm daraufhin meinen Handshake. Wir lachen. Mal sprechen wir deutsch, mal englisch, Brendan trinkt Pils, ich Weizen. Dass wir beide gerade eine fremde Sprache lernen, würde vermutlich niemand denken, der uns gerade so rumalbern sieht. Und tatsächlich sieht die Tandem-Lernmethode nicht nur aus, wie ein gemütlicher Plausch mit guten Freunden, sie fühlt sich auch so an.

Der Begriff Tandem kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „hintereinander“. Tandem-Radfahrer sitzen hintereinander auf einem Rad für zwei: Beide Fahrer trampeln, aber nur der Vordermann (oder die Vorderfrau) lenkt. Der Tandemsprung ist ein Fallschirm- oder Bungeesprung für zwei Personen und auch der Tandemschirm, ein Gleitschirm, ist mit seinen beiden Sitzen für zwei Personen konstruiert.

Ganz gleich ob Tandem-Radfahren, -Springen oder -Gleiten: Alle diese Aktivitäten sind Gemeinschaftsaktivitäten. Und so kommt auch der Name der Tandem-Sprachlernmethode nicht von ungefähr, denn auch hier ist das Gemeinschaftsprinzip ein tragendes Element.

 

Wie funktioniert die Tandem-Sprachlernmethode?

 

Ganz einfach: Zwei Leute mit jeweils unterschiedlicher Muttersprache treffen sich, sprechen miteinander und bringen sich gegenseitig die jeweils fremde Sprache bei. So half Brendan mir bei meinem Englisch und ich half ihm bei seinem Deutsch. Da Brendan und ich uns vorher noch nicht kannten, haben wir den Kontakt über eine Plattform des Studierendenwerks Freiburg hergestellt. Viele Studierende, die einen Tandem-Partner oder eine Tandem-Partnerin suchen, nutzen dafür solch eine spezielle Plattform, die wie eine Partnerbörse funktioniert.

Das Studierendenwerk Freiburg bietet zwei solche Plattformen an: zum einen die Facebook-Gruppe „SWFR-Tandem“, zum anderen das Tandem-Modul auf der Internetseite des Studierendenwerks. Beide Plattformen sind kostenlos und die Anmeldung erfordert nur wenige Klicks. Die Links zu beiden Plattformen findet ihr am Ende dieses Artikels in der Infobox.

 

Tandem mit Brendan aus San Diego

 

Brendan und ich hatten uns auf ein Bier im Café Atlantik verabredet. Wir unterhielten uns erst auf Deutsch. Brendan ist 25 Jahre alt und im ersten Master-Semester Environmental Governance. Er wolle sein Deutsch verbessern. Mit seinen Kommilitonen spreche er nämlich überwiegend englisch, da in seinem Studiengang 37 Leute aus 27 verschiedenen Ländern wären. Er sei aber auch an neuen Bekanntschaften interessiert. Vor ein paar Jahren war er schon einmal in Stuttgart und Tübingen, zwischenzeitlich kehrte er in die USA zurück. Jetzt ist er wieder in Deutschland seit nun schon fünf Monaten.

Dann folgte „Die Lebensgeschichte von Brendan“, wie er es spaßhaft nannte. Und tatsächlich war die Anekdote, die davon handelt, wie er nach Freiburg kam, nicht nur sehr wichtig für Brendan, sondern auch dramatisch.

 

Carcrash, Vauban and ‚Brendans Lifetimestory‘

 

Um die Anekdote zu verstehen, muss man wissen, dass die großen Metropolen Kaliforniens wie Los Angeles, San Francisco oder San Diego als ‚Autostädte‘ konzipiert wären. Brendan erzählte mir, dass Kinder mit fünfzehn das erste Auto von ihren Eltern geschenkt bekämen, damit sie zur Schule fahren könnten. Die Highways seien sechsspurig und viele Leute führen große SUVs oder Jeeps, weil es einfach bequemer wäre, wenn man den ganzen Tag mit dem Auto unterwegs sei.

Deutschland dagegen sei ganz anders. „The thing I like about Germany is, that you don’t need a car”, sagte Brendan. Das hatte ihn schon fasziniert, als er das erste Mal in Deutschland war. Zurück in den USA beschäftigte er sich weiterhin mit diesem Thema. Der Master stand bevor und er hatte sich an diversen Universitäten in Amerika und Deutschland beworben, unter anderem auch in Freiburg.

Er saß gerade auf dem Beifahrersitz und las in einem Buch ein Kapitel über Vauban, das ‚autofreie‘ Quartier. Plötzlich knallte es und Brendans Auto trudelte über den Highway. Brendan und die Fahrerin kamen mit einem Schock davon. Bloß Brendan war ab diesem Moment klar: Er wollte nach Freiburg, dorthin, wo das Vauban liegt. Der Unfall hatte etwas Symbolhaftes für ihn. Wenig später erhielt Brendan dann die Zusage von der Albert-Ludwigs-Universität, die er gerne annahm.

buch-auto-crash

Das Buch, das Brendan vor dem Unfall las, hier nach dem Unfall zwischen Glasscherben und Türgriff

Diese Anekdote ist nicht nur sehr persönlich, sie zeigt auch, dass in Deutschland und Amerika in mancherlei Hinsicht verschiedene Kulturen existieren. So erzählte mir Brendan auch von der Freizeitbeschäftigung des ‚Homebrewing‘: In San Diego sei es ein wachsender Trend, dass Privatpersonen daheim ihr eigenes Bier ohne kommerziellen Nutzen brauten. Passend dazu leerten Brendan und ich einen Becher nach dem anderen. Wir zogen weiter in die Moviebar und landeten schließlich in der Mehlwaage.

Hier gab es Kölsch und als kölsche Jung bestand ich darauf, mit Brendan ein paar Stangen, wie wir Kölner sagen, zu trinken. Wir becherten also fröhlich weiter und in heiterer Stimmung zeigten wir uns schließlich die diversen Handschläge verschiedener Jugendkulturen. Ganz unmerklich hatte unsere Kommunikation sich ins Englische verlagert. Für jemanden wie mich, der sich sehr Unwohl in einer Fremdsprache fühlt, was in Prüfungssituationen häufig zu Nervosität führt, war das Tandem in seiner Ungezwungenheit die ideale Form, um die eigenen Sprachkenntnisse zu verbessern. Auch Brendan hat mir versichert, dass er nicht nur Spaß hatte, sondern auch eine Menge gelernt hat.

 

Fazit

 

Das Tandem-Modul des Studierendenwerks lässt sich einfach bedienen und wer einen Tandem-Partner oder eine Tandem-Partnerin sucht, wird schnell fündig. Natürlich ist es nicht für jeden sinnvoll, das Treffen stets in eine Kneipentour umzuwandeln, aber alkoholische Getränke lassen nicht nur die sozialen, sondern auch die sprachlichen Blockaden ein wenig fallen. Die Tandem-Lernmethode verbessert darüber hinaus nicht nur die sprachlichen Fähigkeiten, sondern ermöglicht auch den Kontakt und Austausch mit Angehörigen fremder Kulturen. Zu guter Letzt lässt sich der Bekanntenkreis durch Tandem-Treffen erweitern.

Ich empfehle allen, die eine fremde Sprache erlernen möchten, an Kultur interessiert sind oder einfach nur gerne neue Leute kennenlernen, einmal ein Tandem auszuprobieren.

 

Infobox

Tandemgruppe bei Facebook: facebook.com/groups/311892625654619/

Wer in die Facebook-Gruppe möchte, muss sich mit seinem Facebook-Profil anmelden, die Gruppenseite besuchen und braucht dort nur auf den Butten „Beitreten“ drücken. Sobald ein Administrator den Beitritt bestätigt hat, kann man in der Gruppe auf Gesuche reagieren oder in Form von Pinnwand-Postings eigene Gesuche veröffentlichen.

Tandem-Modul des Studierendenwerks: http://www.swfr.de/internationales/der-internationale-club/tandem/

Wer eine bessere Suchfunktion haben möchte, sollte das Tandem-Modul vom Studierendenwerk nutzen. Wer das Modul nutzen möchte, braucht sich lediglich beim Studierendenwerk registrieren und ein Sprachprofil anlegen. Anschließend erhält man Zugriff auf eine stetig wachsende Datenbank an potenziellen Tandem-Partnern und –Partnerinnen. Mithilfe der Suchfunktionen lassen sich Sprecher und Sprecherinnen verschiedener Sprachen finden: Von Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch über Japanisch, Chinesisch oder Arabisch bis hin zu Fidschianisch oder Kaschmirisch – fast alle Sprachen, die auf der Welt gesprochen werden, sind in dem Modul vertreten.

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