Ein Einblick in die Senioren-Service-Börse – ein Interview mit Raphaela Wallner

Das Wintersemester ist vorbei. Nun fragt ihr euch wahrscheinlich, wie ihr die langen Semesterferien verbringen wollt. Vielleicht habt ihr vor, etwas Schlaf nachzuholen oder einfach auszuruhen. Für diejenigen, die noch Klausuren haben und vieles zu tun, bedeutet die vorlesungsfreie Zeit, sich in der Bibliothek zu vergraben und stundenlang die Nase in Bücher zu vertiefen. Doch bei dem Angebot des Studierendenwerks Freiburg-Schwarzwald könntet ihr vielleicht einen Nebenjob in Erwägung ziehen.

Für genau das hat sich die Studentin Raphaela Wallner entschieden. Nach einer unkomplizierten Stellenvermittlung durch die Senioren-Service-Börse des Studierendenwerks hat sie eine interessante Anstellung als Betreuerin in einem Pflegeheim gefunden. Diese Plattform vermittelt kostenfrei interessierte Studierende, die auf Hilfe angewiesene ältere Menschen im Alltag unterstützen. Dadurch bekommen Studierende die Möglichkeit, mit Senioren in Privathaushalten oder in einer Einrichtung der Altenhilfe zu arbeiten. Sie sind den Senioren bei der Bewältigung von Alltagsproblemen behilflich.

Ich hatte die Chance ein Interview mit Raphaela zu führen und zu erfahren wie es ist, Senioren im Alltag zu unterstützen. Aus eigener Erfahrung erzählt Raphaela mir was sie durch ihren Job über das Älterwerden soweit bemerkt hat. Neben dem Verlust einiger kognitiver Fähigkeiten lassen im Alter bestimmte körperliche Funktionen nach: Man wird unbeweglicher, ist manchmal unfallgefährdet und zunehmend nicht mehr in der Lage, die alltäglichen Verrichtungen durchzuführen. Durch die Häufung dieser unvermeidbaren Veränderungen nimmt auch die Hilfsbedürftigkeit und Abhängigkeit vieler Senioren zu.

Genau deshalb hat Raphaela den Nebenjob ausgewählt. „Es bereichert einen, wenn man weiß, dass man mit so wenig Aufwand einem anderen so viel Gutes tun kann. Es ist die Freude, die Zufriedenheit und die Dankbarkeit der Bewohner, die den Reiz dieser Arbeit ausmachen.“ Selbstverständlich hat ihre Arbeit einen Sinn. Wie sie selbst erzählt, kann man einfach in die Rolle des „Altseins“ gedanklich hineinschlüpfen. Man kann sich vorstellen wie es einem ergeht, wenn man jeden Tag in einem Pflegeheim verbringen müsste. Man ist plötzlich allein, vielleicht ohne Familie oder regelmäßigen Besuch. Die Pfleger, obwohl sie immer da sind, haben nicht ständig Zeit für alle ihnen anvertrauten älteren Menschen. Sie müssen sich um mehrere gleichzeitig kümmern. Da ist es schön, wenn jemand einfach bei den Pflegebedürftigen ist, sich mit ihnen unterhält und sich für ihre Lebenserfahrung interessiert. Wie Raphaela erklärt „sind es im Alter die kleinen Dinge im Leben, die das Leben lebenswert gestalten.“ Außerdem muss man überhaupt nicht Stunden damit verbringen, um diese Freude bei den Senioren zu wecken.

Senioren Service Börse

Raphaela beschreibt ihren Job. Ihre Aufgabe ist die wöchentliche Betreuung einer Bewohnerin aus dem Wohnbereich „Demenz“, die sie für ein zweistündiges Zusammentreffen besucht. Wenn das Wetter mitspielt gehen sie spazieren, Kaffee trinken oder sie machen vielleicht etwas Kulturelles, wie ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt. Die Bewohnerin sitzt im Rollstuhl, deshalb braucht sie Unterstützung um ins Freie zu gehen. Ohne den Besuch von Raphaela könnte sie das einfach nicht so oft machen. Natürlich steht bei allen Aufgaben das Gespräch im Vordergrund und ohne Zweifel können Diskussionen mit älteren Menschen ziemlich schwierig sein. Gute Themen hierfür sind nicht immer einfach zu finden und erfordern einige Anstrengungen.

Besonders für Senioren, die andere Leute nicht mehr erkennen, ihre täglichen Situationen nicht ganz verstehen oder mit diesen nicht zurechtkommen, ist es sehr wichtig, empathisches Zuhören anzubieten. Im Alter stehen Gefühle und ernste Gedanken oft ganz oben. Bei ihrer Arbeit mit den Senioren merkt Raphaela, dass sich diese, wenn das Ende des Lebens nun näher rückt, vermehrt mit dem Sterben und dem Lebenssinn beschäftigen. Im Alter interessieren sich Senioren oftmals nicht besonders für ihre Außenwelt, sondern widmen sich den Werten der geistigen Dinge, wie dem Lebenssinn, Zufriedenheit und menschliche Beziehungen. Entscheidend an dieser Stelle ist eine unterstützende Person, die durch ein vertrauensvolles Verhältnis den Senioren hilft und ermutigt, auch im gesellschaftlichen Leben engagiert teilzunehmen.

Obwohl solche schwierigen Situationen Raphaela bisher nicht begegnet sind, ist ihr klar, dass sich das Leben im Alter sehr schnell ändern kann. In diesem Beruf muss man bereit sein, sich anzupassen und sensibel zu reagieren. Die Arbeit mit Senioren ist abwechslungsreich. Aus Raphaelas Sicht kann sie nur Positives von ihrem Nebenjob berichten. „Wer gerne mit älteren Menschen zu tun hat, etwas Gutes tun möchte, interessiert ist an Lebenserfahrung und Lebensgeschichten und zwei Stunden die Woche Zeit hat, dazu ein wenig Taschengeld verdienen möchte, dem sei der Job sehr ans Herz gelegt.“

Heutzutage kann man die Kluft zwischen den Generationen nicht vermeiden. Die Jugend sei laut, faul und zerstörerisch. Ältere Menschen seien langweilig, schwerfällig und leicht hysterisch. So sind die jeweiligen Vorurteile der älteren und jüngeren Generation. Diese bestehenden Stereotypen und Missverständnisse über die Generationen gilt es zu verhindern und die Menschen zusammen zu führen. So ist es wichtig, neue Annahmen zu entwickeln und anderen die Hand zu reichen. Genau das macht die Senioren-Service-Börse.

Das Studierendenwerk Freiburg bietet interessierten Studierenden einen Qualifizierungskurs an, der darauf vorbereitet, Seniorinnen und Senioren im Alltag zu unterstützen. Die Teilnahme an dem Kurs wird mit einem Zertifikat bescheinigt. In der Senioren-Service-Börse werden nur Studierende aufgenommen, die ein Zertifikat über den Qualifizierungskurs erworben haben oder ihre Erfahrung im Umgang mit älteren Menschen durch ein Freiwilliges Soziales Jahr, eine Berufsausbildung oder Ähnliches nachweisen können. Aufgaben im pflegerischen Bereich werden von Studierenden, die von der Senioren-Service-Börse vermittelt werden nicht übernommen. Alle weiteren Infos gibt es hier: https://www.swfr.de/geld/studijob/senioren-service-boerse/

Titelbild: Getty images/ The Telegraph (Nov. 2014)

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