Becherfreie Innenstadt und Unterflurbehälter – Interview mit Dieter Bootz

Dieter Bootz von der Abfallwirtscht und Stadtreinigung verrät im Interview, dass Freiburgs Innenstadt von Wegwerfbechern befreit werden soll und am Platz der alten Synagoge, der zur Zeit umgebaut wird, sollen sogenannte Unterflurbehälter eingesetzt werden, also Abfallbehälter, die sich unter der Erde befinden.

Freiburg ist bekannt dafür, eine ‚grüne Stadt‘ zu sein. Wir haben den ersten ‚grünen Bürgermeister‘ Deutschlands und Vauban, ein sehr umweltbewusstes Stadtviertel. Welche Rolle kommt der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung, kurz ASF, in diesem ‚grünen Freiburg‘ zu?

Freiburg hat tatsächlich in den letzten Jahren einige Auszeichnungen als green city bekommen, unter anderem vor vier Jahren die Auszeichnung als nachhaltigste Kommune Deutschlands. Das macht uns ein wenig stolz. Bei der Verleihung dieses Preises waren nicht nur Vertreter der städtischen Energiewirtschaft oder der Stadtverwaltung im Allgemeinen dabei, sondern auch der Geschäftsführer der Freiburger Abfallwirtschaft. Das heißt im Gesamtkonzept der green city spielt die Abfallwirtschaft schon eine Rolle.
Das lässt sich auch in Zahlen ausdrücken: Deutsche Großstädte recyceln im Jahresdurchschnitt etwa 50 Prozent der anfallenden Abfallmenge. Das ist schon eine beachtliche Menge. Wir erreichen hier in Freiburg eine Quote von inzwischen knapp 70 Prozent. Das ist kein Verdienst, den sich die Freiburger Abfallwirtschaft allein an die Brust heftet. Das ist ein Verdient, der von allen Beteiligten, von den Bürgerinnen und Bürgern geleistet wird, die ihren Abfall sortieren und in die entsprechenden Behältnisse tragen.

Was unterscheidet die ASF hier in Freiburg von den Abfallwirtschaften anderer Städte außer der hohen Recyclingquote?

Wir haben in Freiburg den großen Vorteil, dass die Abfalltrennung hier schon fast eine Tradition hat. Freiburg war eine der ersten Städte in Deutschland, die 1985/86 mit der Einführung einer Wertstofftonne, der sogenannten grünen Tonne begonnen haben. In dieser grünen Tonne wurden bunt durcheinander alle Abfälle gesammelt, die sich recyceln ließen. Das würde man heute nicht mehr so machen, aber das war der erste Schritt. Wenn man rekapituliert, dass hier in Freiburg schon seit 30 Jahren Abfall getrennt wird, kann man schon fast sagen, dass ist den Freiburgern in Fleisch und Blut übergegangen.

Gibt es Möglichkeiten, wie die Freiburger noch umweltbewusster mit ihren Abfällen umgehen können?

Ich sehe täglich wie viele Menschen auf dem Fahrrad unterwegs sind, wie gut die Straßenbahnen ausgelastet sind und auf wie vielen privaten Hausdächern Photovoltaikanlagen installiert sind. Das ist ein sehr erfreuliches Bild. Daneben ist Freiburg aber auch  eine ganz normale Stadt, in der ein ganz normaler Alltag gefüllt mit Studium und Arbeit gelebt wird. Es muss auch gar nicht sein, dass jeder Mensch, der hier lebt, ein Vollblutökologe ist. Es reicht schon, wenn die Mehrheit sich so verhält und ich muss ehrlich sagen, dass es auch in Freiburg bestimmte Bereiche gibt, in denen die Abfalltrennung etwas ‚wechselhaft‘ ist. Da unterscheidet sich Freiburg nicht von anderen Städten, aber wir gehen auch in die verdichteten Wohnbezirke Freiburgs und versuchen auf Themen wie Abfallvermeidung und Abfalltrennung aufmerksam zu machen.

Ein weiteres Projekt zur Abfallvermeidung sind sogenannte Mehrwegkaffeebecher, wie es sie in den Cafeterien des Studierendenwerks zu kaufen gibt. Könnten Sie sich vorstellen, dass mit ihrer Unterstützung auch andere Cafés in Freiburg solche Becher anbieten?

Dieter-Bootz-ASF-Freiburg

Dieter Bootz arbeitet in der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg

Die Warsteiner Galerie hat sich von den Mehrwegbechern, die es in den Einrichtungen des Studierendenwerks zu kaufen gibt, bereits inspirieren lassen und auch Mehrwegbecher eingeführt. Wir haben dieses Projekt gemeinsam mit der städtischen Pressestelle unterstützt und eine Mitteilung aufgesetzt, die relativ gut von den örtlichen Medien aufgenommen wurde.
Ich darf so viel verraten, dass wir vorhaben das Thema mit den Mehrwegbechern in Freiburg noch weiter zu forcieren. Unser Ziel ist es, dass die Freiburger Innenstadt weitestgehend wegwerfbecherfrei wird und wir werden zu diesem Thema demnächst Gespräche mit den einzelnen Cafébetreibern und Bäckereiketten führen. Wir wissen auch, dass größtenteils eine Bereitschaft vorhanden ist, bei so einem Abfallvermeidungsprojekt mitzuwirken.

Bis wann kann das Projekt der wegwerfbecherfreien Innenstadt realistisch durchgeführt werden?

Das wollen wir alles im Detail im Gesprächen mit den Cafébetreibern und Bäckereiketten besprechen, denn natürlich brauchen wir deren Bereitschaft. Die Stadt hat eine bestimmte Vorstellung: Wir würden gerne nach der Sommerpause, also ab Anfang Oktober Freiburg – ich sag das jetzt einfach mal ganz mutig – zur becherfreien Zone erklären. Gemeint ist damit die Innenstadt, also der Bereich beginnend am Bahnhof und endend am Schlossberg beziehungsweise an der Dreisam. Wir sind zuversichtlich, dass das ein erfolgreiches Projekt wird, nur einige Details sind im Moment noch recht vage.

Ein weiteres Thema, dass die Innenstadt betrifft, sind der Platz der weißen Rose und der Platz der alten Synagoge. Ist das Wetter schön, verbringen dort zahlreiche Studierende ihre Mittagspause und dementsprechend voll sind häufig die Mülleimer, die dort stehen. Ist sich die ASF über dieses Problem bewusst?

Überall, wo sich Menschen treffen, werden irgendwelche Dinge hinterlassen: leere Verpackungen, Pizzaschachteln, Getränkebecher, Zigarettenpackungen. Die ASF bemüht sich, das alles immer rechtzeitig und schnell zu beseitigen. Wir sind früh morgens im Bereich der Innenstadt mit unseren Mitarbeitern unterwegs und es gibt eine sogenannte Nachmittagsschicht, d.h. Mitarbeiter, die zwischen 14 und 17 Uhr noch in der Innenstadt die Behälter entleeren und Unrat aufsammeln.
Im Zusammenhang mit dem neuen Treffpunkt zwischen Theater und UB haben wir auch recht schnell reagiert und einen hoffentlich ausreichend groß bemessenen Abfallbehälter an der Straßenecke zur Sedanstraße installiert. Was jetzt die Planung vom Platz der alten Synagoge betrifft, soll ein neuer Behältertyp zum Einsatz kommen, nämlich sogenannte Unterflurbehälter. Die Stadt will in diesem Bereich weg von den klassischen Abfalleimern oder Papierkörben, in Zukunft werden dort Einwurfröhren aus dem Boden ragen, die breit genug sind, dass dort Becher, Bananenschalen und Schachteln eingeworfen werden können. Das sammelt sich dann alles unterirdisch in großen Edelstahlbehältern, die regelmäßig entleert werden, und zwar mit Hilfe von Saugkraft.

Wurden diese Unterflurbehälter schon in anderen Städten getestet?

Ja. Freiburg wird in diesem Sinne keine Pionierstadt sein. Diese Behälter sind in Baden-Württemberg unter anderem schon in Baden-Baden im Dienst. Die Erfahrungen, die dort gemacht wurden, sind absolut positiv –  was die Akzeptanz dieser Behälter durch die Bevölkerung angeht und  auch die Entleerung bereitet keine Probleme. Wir sind deshalb zuversichtlich, dass das auch in Freiburg ein guter Wurf wird.

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