How to Nachhaltigkeit: Eine Einführung

Wer in Freiburg lebt, wird früher oder später mit diesem Thema konfrontiert werden: Nachhaltigkeit. Nicht nur das Stadtbild wird durch eine Vielzahl von Grünflächen, Solaranlagen gekleideten Gebäuden oder den Windrädern auf dem Roßkopf von einem bewussten Umgang mit der Umwelt gezeichnet. Auch die Einwohner und Einwohnerinnen der Studentenstadt scheinen viel Wert auf ihren ökologischen Fußabdruck zu legen. So gilt das Fahrrad als Lieblingsfortbewegungsmittel des Klischeefreiburgers, sein Jutebeutel erweckt den Anschein durchgängiger Griffbereitschaft und Fairtrade-Kaffee wird lediglich aus der persönlichen Thermostasse genossen.

Es ist unbestreitbar, dass Umweltschutz in der Green City eine omnipräsente Aufgabe darstellt. Doch dieser Text will dieses Handlungsprinzip keinesfalls an den Pranger stellen, nein. Im Gegenteil: Das Thema Nachhaltigkeit sollte niemals aufgrund von Stereotypisierung zu einem belächelten Gegenstand verkümmern.

Denn Ressourcen wie Erdöl sind nicht unbegrenzt vorhanden, ihre inkongruente Verteilung trägt der sozialen Ungerechtigkeit bei, das globale Naturbild degradiert zunehmend, die Meere ertrinken in Plastik. Hierbei handelt es sich nur um eine handvoll Beispiele, die darlegen, dass es mehr als ratsam und allerhöchste Zeit ist, über sein eigenes Konsumverhalten zu reflektieren.

Aber was kann eine einzelne Person schon ausrichten?

Vor allem wenn es sich bei dieser um einen von Freiburgs Studierenden handelt. Bei uns sitzt das Geld für teures Bio-Obst eh immer knapp und strenge, zeitintensive Lernpläne bieten fast keine Möglichkeit, sich über sinnvolle, ressourcenschonende Maßnahmen zu informieren. Und trägt das Handeln einer Person allein überhaupt zu einem Unterschied bei? Die eindeutige Antwort:

Na, und ob! Und das sogar ohne große Kostenängste oder Zeitengpässe auszulösen.

Das beste Beispiel stellt der rezente Einzug des Freiburg Cups in die Innenstadt-Cafés dar. 12 Millionen Pappbecher inklusive Plastikdeckel landeten bisher nach einmaligen Gebrauch in den Freiburger Mülltonnen. Und das jährlich. Wie ist das denn mit dem grünen Image unserer Stadt vereinbar?

Mit der Einführung der wiederverwendbaren sowie recycelbaren Pfand-Cups ist nun jedoch eine Basis geschaffen worden, mit der Unmengen an Abfall eingespart werden können. Das zusätzlich Effektive: Das Konzept stellt weder eine finanzielle Belastung dar, noch muss die an Nachhaltigkeit interessierte Verbraucherschaft einen mühevollen Rechercheaufwand betreiben, um sich für die Umwelt einzubringen. Ein komfortables Prinzip, das Potential für große Auswirkungen bereithält und mit seinen Vorteilen besonders für Studierende geeignet ist.

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„Wer daraus trinkt, hat’s cupiert“: Der wiederverwendbare Freiburg Cup wird seit November 2016 als Alternative zum Pappbecher in Freiburger Cafés angeboten.

Natürlich könnte man jetzt argumentieren, dass die lokale Begrenztheit dieses Mehrwegpfandsystems nur wenig Unterschied in der internationalen Müllreduktion ausmache. Doch selbst kleine Veränderungen auf kommunaler Ebene können einiges ausrichten. Denn sie sorgen für die nötigen Denkanstöße und regen mit ihrer Schein-Radikalität Diskussionen an, was die enorme Medienwirksamkeit des Cups beweist.

Fest steht, dass die konkrete Idee hierfür im Kopf einer einzelnen Person entstanden ist. Jedoch konnte diese weitere überzeugen, sich manifestieren und hat dadurch einiges ins Rollen gebracht. Wichtig ist, dass sich jemand der Sache annimmt und als Vorbild agiert.

Ungeachtet dessen existieren noch einige andere Problemfelder, die zum Wohle der Natur vom Einzelnen angegangen werden können.

Allerdings sind diese wie bereits angesprochen verdächtig oft im Zusammenhang mit umweltbewusstem Konsum zu finden und stehen aus diesem Grund häufig in Konkurrenz zu den begrenzten Kapazitäten des Studierendengeldbeutels – im Gegensatz zur läppischen Leihaneignung des Freiburg Cups. Das Bio-Siegel hebt den Lebensmittelpreis für gewöhnlich stark an. Auch fair gehandelte und produzierte Waren wie beispielsweise Textilien stellen dabei keine Ausnahme dar, sondern bestätigen die Regel eher noch. Ein Einkauf im Alnatura kann die EC-Karte schnell mal zum Glühen bringen.

Auch ein umfassender Einarbeitungsakt in Richtung grünes Handeln kann im Vergleich zur schnellen Cupaneignung aufwendig und damit ein Zeitfresser sein. Und Zeit ist schließlich kostbar, vor allem für Studierende. Einige Methoden wie die komplette Müllvermeidung nach der ZeroWaste-Philosophie wirken auf viele Interessierte auch als sehr extrem und scheinen einen starken Eingriff in gewohnte Lebensweisen zu erfordern.

 Oder sind das schon wieder alles nur Vorurteile, mit denen wir hier zu tun haben?

Nicht jedes Lebensmittel mit Bio- oder Fairtrade-Siegel gehört grundsätzlich in die „Unbezahlbar“-Schublade gesteckt und nicht jeder Studierende hat Mangelerscheinungen was Zeit und Geld betrifft. Und genauso wenig muss umweltschonendes Verhalten ein Synonym für große Opferbereitschaft sein. Dass fast kein Supermarkt mehr Plastiktüten für seine Kundschaft bereithält, hatte sicherlich bei den wenigsten der Konsumenten und Konsumentinnen einen Schweißausbruch zur Folge. Naja, jedenfalls nicht bei Freiburgstämmigen und ihren loyalen Jutebeuteln.

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Der perfekte Begleiter für (un-)geplante Einkäufe: Der Jutebeutel.

Geht man das Thema nachhaltiger und ressourcenschonender Umgang nämlich aus der richtigen Perspektive an, muss dieser weder anstrengend noch teuer sein, sondern hat neben dem Umweltschützen auch oftmals einen sehr positiven Nebeneffekt auf den Geldbeutel.

Um interessierten Anfänger-Ökos den Einstieg zum umweltbewussten und nachhaltigen Handeln zu erleichtern, haben wir im folgenden einige Ideen für verschiedene Bereiche gesammelt, die es erlauben, den Naturschutz auf einfache Weise in den Alltag zu integrieren.

Bereich Ernährung:

  • Es passiert viel zu oft, dass man planlos durch den Supermarkt geht und Nahrungsmittel in den Korb legt, auf die man zwar im Augenblick Lust verspürt, welche aber später vergessen im Kühlschrank liegen und erst wieder durch Schimmelpelz und Gestank unsere Aufmerksamkeit erregen. Um unnötige Lebensmittelabfälle zu vermeiden, kann man versuchen…

    • Erst Einkaufen zu gehen, wenn der Kühlschrank wirklich nichts mehr hergibt,

    • Bestimmte Lebensmittel erst dann zu kaufen, wenn man sie wirklich zum Kochen braucht,

    • Sich einzugestehen, dass der Einkaufstrip eskaliert ist und den Freundeskreis bekochen oder mit MitbewohnerInnen oder NachbarInnen teilen.

  • Beim Kauf von Lebensmitteln auf Regionalität und Saisonalität achten. Kommen die Tomaten zum Beispiel aus Deutschland oder Italien? Ist die Milch aus Baden-Württemberg oder aus Rheinland-Pfalz? Anfahrtswege kurzzuhalten schont die Umwelt ungemein! Und wurde die Nahrung saisonal in der Region geerntet, steigt ihr Eigengeschmack.

  • Ein- oder mehrmals die Woche vegetarisch oder vegan zu essen, spart ebenfalls viele Ressourcen ein und kann zudem sehr günstig sein.
  • Mitglied bei Foodsharing werden oder sich bei einem der Fairteiler an übriggebliebenen Brötchen und anderen Lebensmitteln bedienen.

  • Beim Mensagang wird der Teller selten leer? Vesperbox mitnehmen und die Reste später vertilgen.

Bereich Abfall und Energie:

  • Der Klischeefreiburger macht alles richtig. Denn ein eigener Thermobecher oder nun auch der Freiburg Cup helfen, das Pappbecher-Müllproblem am Kragen zu packen. Zusatzvorteil: Viele Cafés bieten einen Preiserlass, sollte man einen persönlichen Thermobecher benutzen (z.B. im Europa Café, es winken immerhin 10ct Rabatt!).

  • Und der Jutebeutel! Auch wenn Plastiktüten abgeschafft werden, für Spontaneinkäufe sind Jutebeutel immer praktisch.

  • Selbst zu kochen anstelle vom Fertigproduktverzehr kann helfen, Verpackungsmüll zu reduzieren. Doch auch beim Einkaufen ist es sinnvoll darauf zu achten, vom Plastik verschlungene Lebensmittel zu meiden.

  • Recyceltes Papier hat den Vorteil, dass es Holzreserven schont und verbraucht zudem in seiner Herstellung viel weniger Wasser im Gegensatz zur konventionellen Papierproduktion. Ob College-Block oder Toilettenpapier, Hauptsache recycelt!

  • Wenn man sich den ganzen Tag außer Haus befindet, dann ist es sinnvoll, elektronische Geräte vom Stromnetz zu nehmen und auszuschalten. Eine Mehrfachsteckdose kann sich stressfrei um mehrere Geräte kümmern und senkt die Stromkosten.

Bereich Textilien:

  • Sollte der Kleiderschrank mal nichts hergeben, gibt es immer die Möglichkeit, beim nächstbesten Flohmarkt neue Schätze zu suchen und/oder Ebay-Kleinanzeigen, Kleiderkreisel oder einen Secondhand-Laden zu durchforsten.
  • Klamotten, die einen nicht mehr reizen, können einfach innerhalb des Freundeskreises getauscht werden. Spenden ist ebenfalls eine schöne Möglichkeit, ausgemisteten Klamotten einen neuen Sinn zu geben.

Bereich Informationssuche:

  • Wie wäre es mit einer Suchmaschine, die im Gegenzug für deine Nutzung das Pflanzen von Bäumen finanziert? Ecosia sammelt über Werbeanzeigen Gelder, die für Baumpflanzprojekte gespendet werden.

Es zeigt sich: Die Gelegenheiten des nachhaltigen Handelns sind vielzählig. Sie verstecken sich in vielen Aspekten des Alltags und können mit wenig Aufwand in Angriff genommen und zur Gewohnheit gemacht werden. Dabei ist jeder noch so klein erscheinende Schritt ausschlaggebend und hat die Möglichkeit, etwas großes zu bewirken!

Ein Gedanke zu “How to Nachhaltigkeit: Eine Einführung

  1. apropos umweltschutz:
    unsere massentierhaltung ist für mehr als die hälfte aller globalen co2 emissionen verantwortlich, somit ist unser fleischkonsum hauptverursacher des durch den menschen verursachten klimawandels. die industrielle tierhaltung schadet der erde mehr als jede andere industrie.

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