Und wie feierst Du? – Ostern international

Kaum haben die Semesterferien begonnen, kaum kündigten die ersten gelb-blühenden Narzissen und das warme, sonnenverwöhnte Wetter den Beginn des Frühlings an, steht auch schon Ostern vor der Tür.

Während ich in meiner Kindheit vor allem Ostererfahrung bei meinen Großeltern in Frankreich gesammelt habe, war es für mich vollkommen natürlich, das Osterfest in gleichem Maße mit dem deutschen Osterhasen sowie mit den französischen Cloches de Pâques in Verbindung zu setzen. Dass hier zwei verschieden Ostertraditionen aufeinanderprallen, wurde mir erst viel später bewusst.

So steht während des deutschen Osterfestes bekanntermaßen der Osterhase im Fokus. In jeglichen Bäckereien lässt die Zubereitung von Gebäck in Häschenform die Öfen heiß laufen, aus Schokolade gegossene Osterhasen versüßen für kurze Zeit den Alltag, Kinder trällern Lieder wie Stups, der kleine Osterhase vor sich her. Dieses Maß an Aufmerksamkeit ist nur wenig verwunderlich. Schließlich ist es ja auch der Osterhase, der zum Ostersonntag bunt bemalte Eier und andere schöne Überraschungen für Groß und Klein versteckt und mit seiner Arbeit für Freude sorgt.

Richtet man seinen Blick jedoch auf die Osterbräuche unserer französischen Nachbarn, fallen Unterschiede auf.

Der markanteste liegt meiner Meinung nach darin, dass dort nicht der Osterhase für das Verstecken der Süßigkeiten zuständig ist, sondern Kirchenglocken, auch als Cloches de Pâques, (dt. Osterglocken), bekannt. Der Tradition zufolge fliegen diese am Gründonnerstag nach Rom, um dort für das Osterfest einen Segen zu empfangen und mit Süßigkeiten beladen zu werden. Auf ihrem Rückweg verlieren sie diese jedoch in den Gärten der französischen Landsleute, um daraufhin von diesen während der chasse aux œufs de Pâques (dt. Ostereiersuche beziehungsweise -jagd) gefunden zu werden. Aus diesem Grund finden sich neben den auch für Deutschland typischen Schokoladeneiern hier auch Schokoladenglocken im Supermarktregal.

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Doch auch im Vergleich zu anderen Ländern zeigen sich Differenzen, aber auch Gemeinsamkeiten in den Ostertraditionen auf.

So erzählt mir die 23-jährige Grundschullehramtsstudentin Cheryl aus Luxemburg, dass für sie an Ouschteren (dt. Ostern) vor allem das familiäre Zusammensein wichtig sei: „Bei uns war es einfach die Hauptsache, dass die Familie etwas zusammem unternimmt und die Zeit und den Frühlingsanfang genießt. Wir waren zum Beispiel immer bei den Großeltern.“ Auch die Ostereiersuche haben luxemburgische mit deutschen Ostern gemeinsam. So werden auch in Luxemburg vom Ouschterhues (dt. Osterhase) Eier und kleine Geschenke versteckt, welche von den Kindern gesucht werden, wie Cheryl beschreibt.

Wie in Italien gefeiert wird, beschreibt mir die Halbitalienerin und Studentin der Anglistik und Skandinavistik Kira, 22 Jahre.

Sie erzählt mir, dass es für ihre Verwandten in Italien typisch wäre, an Pasqua (dt. Ostern) Lamm zu essen. Auch ein für die Region spezifischer Kuchen würde speziell zu Ostern serviert werden.

Während die Kinder in Deutschland, wie bereits festgestellt, auf Ostereiersuche gehen, präsentiert sich in Italien ein anderer Brauch. Hier würden den Kindern große, verpackte Schokoladeneier überreicht werden, welche eine kleine Überraschung im Inneren verbergen.

Kira erzählt: „Als ich dort zur Schule gegangen bin, konnten wir als Klasse so ein großes Osterei bestellen. Am Tag vor den Osterferien haben wir das gegessen und innendrin waren eine Mütze und ein Schal. Eigentlich war das so wie ein Überraschungsei, nur in riesig!“

Weiterhin berichtet sie mir, dass es üblich sei, am Ostersonntag morgens oder abends in die Kirche zu gehen. Hauptsächlich würde Ostern jedoch ein Familienfest darstellen, da hier „die ganze Familie zusammenkommt und zusammen isst.“

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Die größten Unterschiede stelle ich jedoch in meinem Gespräch mit der 23-jährigen Kasia aus Warschau fest, welche Allgemeine Sprachwissenschaft im Master studiert.

Sie erzählt mir, dass Wielkanoc (dt. Ostern) in Polen vor allem für die katholische Mehrheit des Landes mit großem Aufwand gefeiert wird. Für diese beginnt die Vorbereitung auf das Osterfest am Aschermittwoch, wird mit einem langen Kreuzzug am Karfreitag fortgesetzt und am Samstag mit der Segnung eines Essenskorbes durch einen Priester weitergeführt. In diesem Korb fänden Eier, Brot, Fleisch, meistens Wurst, Salz, Pfeffer, Kuchen oder auch Schokolade Platz, wobei hinter den einzelnen Bestandteilen eine bestimmte Bedeutung zu finden sei. So würden die Eier, wie auch am deutschen Osterfest, das Leben symbolisieren.

Am Sonntag treffe sich die gesamte Familie, um das gesegnete Essen untereinander zu teilen und zum Frühstück zu essen. Kasia erklärt: „Eigentlich gehört das alles zu einem normalen Frühstück dazu. Typisch an Ostern ist aber eine saure Mehlsuppe mit Weißwurst und Mazurek, ein polnisches Ostergebäck aus Mürbeteig mit Nüssen und Schokoladenüberguss.“

Sie informiert mich weiterhin darüber, dass Ostern ein Fest sei, welches sehr stark mit den polnischen Traditionen verwoben ist. So stelle die Segnung des Essenskorbes nahezu für die gesamte Gesellschaft, unabhängig vom Glauben des Einzelnen, ein wichtiger Aspekt während des Osterfestes dar.

Auch für den Ostermontag gibt es eine besondere Tradition. An diesem Tag sei es üblich, sich gegenseitig mit Wasser zu besprengen, erzählt Kasia. Anstatt Andere jedoch nur mit einigen Wasserspritzern zu benetzen, würde sich vor allem die junge Generation mittlerweile einen Spaß daraus machen, ganze Eimer voller Wasser auf potentielle Opfer zu schütten. Die Tradition selber stelle die Taufe eines ehemaligen polnischen Herrschers, möglicherweise aber auch ein Reinigungsritual dar. Auch sei am Ostermontag ein weiteres familiäres Treffen zum Mittagessen üblich.

Im Gegensatz zum deutschen Brauch, vor allem Kinder an Ostern zu beschenken, ist es in Polen laut Kasias Schilderung ungewöhnlich, sich abgesehen von Süßigkeiten Geschenke zu machen. Es sei die junge Generation, die dem Geschenketrend langsam zu folgen beginne, doch „das ist noch nicht so populär“, sagt sie.

Eine weitere Besonderheit stellen wir in der Art und Weise des Ostereierfärbens fest. Während in Deutschland oft zu bunten Färbepulvern gegriffen wird, werden zukünftige Ostereier in Polen zusammen mit Zwiebelschalen gekocht. Dadurch erhalten die Eier eine braune Färbung, welche später mit einer Nadel eingeritzt wird, um diverse Muster entstehen zu lassen.

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Dass das Osterfest je nach Land unterschiedliche Facetten aufweist, empfinde ich als erstaunlich und sehr interessant.

Während in einigen Ländern der religiöse Ursprung des Festes im Mittelpunkt steht, verbinden andere das Osterfest mit Frühlingsmotiven. Und obwohl sich in der Art und Weise Ostern zu zelebrieren Unterschiede erkennen lassen, ist es schön festzustellen, dass es im Kern immer um eines geht: Als Familie zusammenzukommen und eine entspannte Zeit miteinander zu verbringen.

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