Geschickt Lernen: Lernstrategien für Erstis und Uni-Erfahrene

An der Schule zu sein hat für das eigene Lernverhalten häufig Vorteile: Der Inhalt diverser Fächer wird anhand des vorstrukturierten Aufbaus des Lehrpersonals erarbeitet. Gleichzeitig steht nach jedem Themenblock eine Wissensabfrage, die eine Rückmeldung zur persönlichen Lernleistung liefert. Dabei unterstützt die grundsätzliche Anwesenheitspflicht, dass man als Schüler oder Schülerin so wenig Präsenzstunden wie möglich und somit deren Inhalte verpasst.

Aber nun? Willkommen an der Universität! Wo die Fähigkeit, seinen Lernalltag selbst zu organisieren an enormer Relevanz gewinnt; wo die umfangreichen Stoffsammlungen im Eigenstudium angeeignet werden müssen; wo individuelle Rückmeldung zum eigenen Lernstatus kaum stattfindet und der Lernzuwachs häufig erst am Ende des Semesters abgefragt wird; wo Kurse, die keine Anwesenheit voraussetzen, dazu einladen, einfach mal wieder länger zu schlafen oder anderen entspannenden Beschäftigungen nachzugehen.

Natürlich ist es schon an der Schule Voraussetzung, organisiert zu sein und seine Lernzeit zu regulieren. Doch an der Universität wird definitiv mehr Eigeninitiative erwartet – was, wie aufgezeigt, gegensätzlich zu den im jahrelangen Schulbetrieb angenommenen Lernmethoden stehen kann. Die Unterschiede in Wissensvermittlung und -aneignung, die sich zwischen Schul- und universitärem Betrieb finden lassen, fordern deswegen oftmals Konsequenzen für den gewohnten Lernalltag ein.

Aber wie lernt man am geschicktesten?

Diese Antwort ist stets individuell zu beantworten. Um jedoch aufzuzeigen, mit welchen Mitteln, Wegen und Methoden Lernen möglich ist, werden im Folgenden unterschiedlichste Lernstrategien erklärt, die helfen sollen, den Hochschulalltag problemlos zu meistern und sich einen individuellen Lernstil anzueignen! Auch Uni-Erprobte können sich hier möglicherweise den ein oder anderen Tipp abholen, der die Wissensaneignung für das nächste Semester aufpeppt oder Abwechslung in die Lernzeit bringt.

 

Die Lernstrategien

Lernstrategien werden in Kategorien eingeteilt; man unterscheidet zwischen Primärstrategien und Sekundärstrategien.

  1. Primärstrategien

Primärstrategien dienen dem Wissenserwerb im engeren Sinne und sind aktional, was bedeutet, dass man bei ihnen aktiv den Lernstoff bearbeitet. Sie helfen, die zu erlernenden Informationen zu strukturieren und das eigene Vorwissen zu nutzen. Dabei zählen folgende Methoden zu aktionalen Lernstrategien:

 

a) Wiederholungsstrategie: Das Ziel der Wiederholungsstrategie liegt darin, eine Speicherung der zu erlernenden Informationen mittels Repetieren im Langzeitgedächtnis zu erreichen. Die Wiederholungsstrategie ist zeitsparend nicht sehr aufwendig. Je nach Lernziel kann sie sehr effizient eingesetzt werden, fördert jedoch kein tiefenorientiertes Verständnis des Lernstoffes. Besonders hilfreich zeigt sich das Wiederholen, wenn sie verteilt eingesetzt wird. Das heißt, lieber 3x täglich als 24x wiederholen.

  • Anwendungsbeispiele für diese Strategie: Fakten aufsagen, Texte abschreiben…

 

b) Organisationsstrategie: Hiermit ist nicht gemeint, dass der Arbeitsplatz bitte ordentlich und ablenkungsfrei gestaltet sein soll, oder alle Unterlagen in alphabetischer Reihenfolge eingeheftet werden müssten (wie man sich in seiner Lernumgebung am wohlsten fühlt, ist auch eine individuelle Angelegenheit). Unter der Organisationsstrategie versteht sich die Konstruktion von Ordnungsbeziehungen innerhalb eines Themas, sodass Bezüge innerhalb des Lernstoffes aufgedeckt werden. So kann das zu Erlernende sinnvoll strukturiert werden. Denn je mehr Wege sich zu einer Information im Langzeitgedächtnis bahnen, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass diese abrufbar wird.

  • Anwendungsbeispiele für diese Strategie: Visualisierung der Zusammenhänge via Mindmaps oder Concept Maps, Zusammenfassungen schreiben…

 

c) Elaborationsstrategie: Solche Strategien helfen dabei, neue Informationen mit bereits vorhandenen Wissensstrukturen in Verbindung zu setzen, damit das neue Wissen an das Vorwissen angeknüpft werden kann. Die Elaboration ist unabdingbar, wenn ein vertieftes Verständnis des Lernstoffes angestrebt wird. Anfangs kann diese Strategie relativ aufwändig sein (z.B.: Wie aktiviere ich mein Vorwissen?), mit ein bisschen Übung fällt es aber immer leichter.

  • Anwendungsbeispiele für diese Strategie: Beispiele überlegen, Gelerntes mit eigenen Worten formulieren, Fragen zu den neuen Informationen stellen…

 

d) Metakognitive Strategien: Diese Strategien beinhalten all jene Prozesse, die unerlässlich für eine unmittelbare Informationsaufnahme, -verarbeitung sowie -speicherung sind. Darunter fallen Kontroll-, Regulations-, aber auch Planungsmechanismen. Unter diese Strategien fallen beispielsweise:

  • Selfmonitoring: Die Beobachtung des persönlichen Lernfortschrittes mittels eines Lerntagebuchs.
  • Selbstbelohnung: Eine Belohnung festsetzen, die bei erreichten Zielen ausgehändigt wird.
  • Arbeitskontrakt: Außenstehende in den Lernprozess involvieren, um so von außen beim Lernprozess bewacht zu werden. Ein Abkommen, z.B. in Form einer Wette mit einem Lernpartner, mit Freunden oder Familie kann äußerst motivierend wirken.
  • Bewerten: Evaluierung des eigenen Lernverhaltens am Ende einer Lerneinheit.

 

2. Sekundärstrategien

Sekundärstrategien tragen indirekt zum Wissenserwerb bei. Sie unterscheiden sich insofern von den Primärstrategien, dass sie externe Ressourcen (z.B. materielle oder soziale) nutzen, um die Lernhandlung aufrechtzuerhalten. Auch die Kontrolle der Motivation und Emotionen fällt darunter. So können Sekundärstrategien aussehen:

 

a) Ressourcenstrategie: Hierunter versteht man die Art und Weise, wie ein Lernender während seiner Lernzeit mit externen Ressourcen umgeht. Koordinations- und Managementprozesse sind Rahmenbedingungen des Lernens, weswegen es von Vorteil ist, diese gut zu strukturieren.

  • Dazu gehören: Zeit-, Informations- und Wissensmanagement, aber auch ein Wissen um geistige wie körperliche Zustände oder soziale Ressourcen.

 

b) Volitionale Strategie: Volition meint die bewusste, willentliche Umsetzung von Zielen und Motiven. Deswegen handelt es sich bei dieser Strategie um die aktive Wachhaltung interner Ressourcen, wie beispielsweise der Aufmerksamkeit. Unter diesen Punkt fällt ebenfalls die Kontrolle der eigenen Motivation und Emotionen.

  • Was genau bedeutet das? Ein Beispiel: Negative Emotionen belasten, weshalb das Verarbeiten von Informationen in einem solchen Gefühlszustand schwerer fällt. Sollte also vor dem Beginn des Lernens ein Streitgespräch stattgefunden haben, sollte erst wieder ein geeignetes Erregungsniveau erreicht werden, bevor der Lernprozess einsetzt. Gleiches gilt für stark positive Gefühle. Und selbst emotionale Erregung nach einer Lernphase beeinflussen die Übertragung von Informationen vom Kurzzeit- in den Langzeitspeicher negativ.

 

c) Selbstbilderhaltende Strategie: Manchmal kommt es vor, dass ein Misserfolg beim Lernen auf sich selbst bezogen wird. Mangelnde Begabung oder ähnliches wird einem selbst bei einem schlechten Ergebnis vorgeworfen. Um das Selbstbild jedoch nicht zu entkräften, sollte das eigene Lernverhalten objektiv betrachtet werden. Misserfolg kann auch durch unzureichende Anstrengung oder der zu großen Aufgabenschwierigkeit erklärt werden und hilft, die Lernmotivation aufrechtzuerhalten.

 

Zum Schluss sei gesagt: Jeder Lernende nutzt einen individuellen, auf ihn zugeschnittenen Lernstil. Ich persönlich finde es angenehm, während des Einsatzes von Elaborationsstrategien Musik zu hören. Bei Wiederholungsstrategien hilft mir Bewegung dabei, den Lernstoff aufzunehmen, weswegen ich dabei gerne in meinem Zimmer auf- und ablaufe. Bei großen Lerneinheiten lese ich nach einer bestimmten Lernzeit ein paar Kapitel Manga oder gehe spazieren, um mich für meine Leistung zu belohnen.

Aber nicht jeder möchte sich mit Lesen oder ruhigen Bewegungen regenerieren oder kann sich während des Lernprozesses mit Musik bespaßen. Was für den einen das Optimum darstellt, kann für den anderen überhaupt nicht funktionieren. Wichtig ist, dass das Nutzen der eigenen Lernstrategien regelmäßig auf ihr Anstrengung-Ergebnis-Verhältnis evaluiert wird. Solange sich das Outcome als zufriedenstellend entpuppt – großartig! Du hast deinen Lernstil gefunden!

 

Weitere Tipps zum Thema Lernen findet ihr in Hannos Beitrag „Besser Lernen – glücklich Studieren“

https://studierendenwerkfreiburg.wordpress.com/2017/02/01/schwimmen-sollte-vor-dem-ertrinken-gelernt-werden/

Bei stressbedingten Beschwerden hilft die Psychotherapeutische Beratungsstelle des SWFR:

www.swfr.de/de/beratung-soziales/beratungsstellen/psychotherapeutische-beratung/

Rosa Meyer
0761 2101-269
r.meyer(at)swfr.de

Sprechzeiten:
Mo-Fr 9.00-12.00 Uhr
Schreiberstrasse 12
Zimmer 003

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