Nie wieder: „Ich bin zu blöd für mein Studium!“ – Wie man sich misserfolgsorientiertes Denken abgewöhnt

Es ist ein Teufelskreis: Die Prüfungsangst blockiert die Phase eigenständigen Lernens, ein Blackout während der Klausur wischt alle Informationen aus dem Gedächtnis, eine Note, die nicht den eigenen Ansprüchen genügt wandert auf die Leistungsübersicht, der Vergleich mit Mitstudierenden treibt die Panik über den eigenen Marktwert auf ein neues Level, Gedanken wie „Ich bin zu blöd für mein Studium!“ verschlechtern das Selbstkonzept. Diese wiederum fördern die Prüfungsangst, die die Phase des eigenständigen Lernens – es hört nicht auf.

 

Schuld an diesem Konflikt ist das Motiv der Misserfolgsorientierung, welchem viele Lernende ausgesetzt sind.

Erfolgsorientierte Personen schieben eine Schlappe im Leistungsfeld auf fehlende Anstrengung, Pech, das schlechte Wetter, Baustellenlärm während der Prüfung oder einen miesen Dozierenden – er schreibt die Ursachen für das Versagen externen Quellen zu, die seinem Selbstverständnis nicht schaden können. Besteht er den Test jedoch, stärken Emotionen wie Stolz und Freude das Selbstkonzept.

Im Gegensatz zu erfolgsorientierten Personen beziehen misserfolgsorientierte Menschen leistungsbezogene Niederlagen stets auf sich selbst. Erfolge dagegen, die das eigene Selbstbild bekräftigen könnten, werden auf Zufall oder Glück geschoben. Das Fazit: Ein sich mit der Zeit weiter selbststabilisierendes Selbstverständnis entsteht, welches darauf aufbaut, in bestimmten Aspekten eine lediglich als mangelhaft einzustufende Begabung zu besitzen.

 

Und das kann gefährlich werden:

Denn die Angst, einen weiteren Misserfolg einstecken zu müssen, führt in der Regel zu einem sich wiederholenden Szenario. Ist eine misserfolgsorientierte Person einem Kontext ausgesetzt, der eine Leistung fordert, beschwört die Furcht vor einer erneuten leistungsbedingten Enttäuschung den Wunsch herauf, einer solchen mit allen Mitteln zu entgehen. So werden in dieser Situation entweder nur sehr leichte Aufgaben gewählt, oder aber nur sehr schwere. Auf diese Weise würde eine beschämende Selbstbewertungsemotion ausbleiben – jedoch kann bei erfolgreichem Abschneiden auch kein Stolz empfunden werden, der das Selbstbild verbessern könnte, denn: Hat man Erfolg bei der einfachen Aufgabe, ist dieser auf die Leichtigkeit der Übung zurückzuführen. Hat man Misserfolg bei der Bearbeitung eines komplexen Gegenstandes, ist dies ebenfalls auf dem erhöhten Level der Aufgabe zuzuschreiben. Bleibt das Gelingen einer leichten Übung jedoch aus, hat dies eine Emotion zufolge, die das Selbstkonzept destruiert, wie beispielsweise Scham. Zeigt sich ein Erfolg bei der leistungsintensiven Thematik, kann es nur der Zufall oder Glück gewesen sein.

 

Doch wie ist es möglich, aus dieser Sackgasse auszubrechen?

Das Gute ist: Auch wenn von einem Teufelskreis die Rede ist, kann man das Motiv der Misserfolgsorientierung als ein habituisiertes System definieren, welches veränderbar ist. Das heißt, auch wenn diese Art der Attribution Gewohnheit ist, kann man lernen, diesen selbstzerstörerischen Zustand aufzulösen. Dies kann gelingen, wenn man sich diese Lebensform abgewöhnt. Die Herausforderung in diesem Prozess liegt darin, die Stabilität dieses Motivs anzufechten, damit die Begegnung mit Leistungsmomenten nicht länger als eine kraftraubende Angelegenheit wahrgenommen wird, deren Resultat die eigene Beschämung beinhaltet. Das persönliche Wohlbefinden kann steigen, während das eigene Leistungspotential wieder voll genutzt werden kann.

Um dies zu bewerkstelligen, muss die Bearbeitung folgender drei Problemfelder ins Visier genommen werden:

 

  1. Die unrealistische Zielsetzung:

Findet man sich mit einer Leistungssituation konfrontiert, sollte sich die Wahl der Aufgabenschwierigkeit nicht nur auf leichte oder schwere Aufgaben beschränken. Werden mittelschwere Übungen ausgesucht, kann der Zusammenhang zwischen der individuellen Anstrengung und der persönlichen Arbeitsweise besser erkennbar gemacht werden. Das Resultat kann auf diese Weise rational analysiert werden. Es hilft, sich dabei an einer individuellen Bezugsnorm zu orientieren. Damit sind die eigenen, bisher erzielten Ergebnisse gemeint. So können persönliche Fortschritte auf objektivem Wege ermittelt und vor allem sichtbar gemacht werden.

 

  1. Die Attributionstendenz:

Unter diesem Punkt soll nach einer selbstwertdienlichen Attribuierung gestrebt werden. Erfolge sollen, wie bei erfolgsorientierten Personen, auf die persönliche Anstrengung und die eigenen Fähigkeiten zurückgeführt werden. Gleichzeitig soll gelernt werden, Misserfolge auf externe Faktoren (schlechtes Wetter, Baustellenlärm, mieser Dozierender) bezogen werden. Ebenfalls möglich und nicht schädlich für den Selbstwert ist die Rückführung eines Misserfolgs auf interne Faktoren, die jedoch nicht zeitlich überdauern, wie beispielsweise eine mangelnde Begabung, sondern veränderlich sind, wie ausbaufähige Anstrengung.

Natürlich geht es nicht darum, sich selbst etwas vorzumachen, indem von tatsächlichen Problemen abgelenkt wird. Stattdessen soll eine realistische Auseinandersetzung mit der eigenen Leistung erlernt werden.

 

  1. Die ungünstige Selbstbewertungsbilanz:

In einem letzten Schritt muss sich der Lernende aneignen, Stolz und Freude für die eigenen Leistungen empfinden zu können, wenn sich nach der Aufgabenbewältigung ein Erfolg zeigt. Parallel muss versucht werden, das Gefühl von starker Betroffenheit nach Misserfolgen weniger Raum zu geben und diese neutraler zu bewerten.

 

Wichtig ist, dass alle drei Problemzonen gleichzeitig verändert werden. Erst so kann das Misserfolgsmotiv erfolgreich abtrainiert und das dysfunktionale Verhalten vollständig entwöhnt werden!

 

Wer andere Unterstützungsangebote hinsichtlich einer Lernberatung aufsuchen möchte oder an einem Beratungsgespräch interessiert ist, kann die Angebote des Service Center Studium Freiburg nutzen.

Infos findet hier auf der Homepage:

https://www.studium.uni-freiburg.de/service_und_beratungsstellen

Oder dem Blog:

http://www.scs.uni-freiburg.de/blog/category/zsb/lernberatung/

Weiterhin kann bei stressbedingten Beschwerden Hilfe bei der Psychotherapeutischen Beratungsstelle des SWFR gefunden werden:

www.swfr.de/de/beratung-soziales/beratungsstellen/psychotherapeutische-beratung/

Rosa Meyer
0761 2101-269
r.meyer(at)swfr.de

Sprechzeiten:
Mo-Fr 9.00-12.00 Uhr
Schreiberstrasse 12
Zimmer 003

Advertisements

Was denkst du dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s