Tatort in der Suppenküche

Getreu Franz Antels Komödie „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ legen sich auch viele Freiburger Studierende sonntags nur ungern schlafen, ohne davor den „Tatort“ in der MensaBar geschaut zu haben.

von Annika Stibitzky

Deutschlands Kult-Krimiserie, der Tatort, fesselt seit 47 Jahren immer wieder Zuschauer aller Generationen vor den heimischen Fernsehern. Doch nicht nur in den eigenen vier Wänden finden sich Krimiliebhaber sonntags um 20.15 Uhr zusammen, auch in der MensaBar Rempartstraße versammeln sich im Schnitt 80 Studierende, um gemeinsam den Tatort zu verfolgen.

Das gemeinsame Krimi-Schauen wurde 2004 vom Internationalen Club (IC) initiiert. Nachdem erste Anlaufversuche erfolglos waren, und die Besucher fern blieben, reagierten die Veranstalter zunächst enttäuscht, gaben jedoch nicht auf. Man erweiterte das Krimiprogramm um eine leckere Suppe als Beigabe. Volltreffer! Bis heute läuft der gesellige Krimiabend unter dem Titel „Tatort MensaBar – Kalte Morde, Heiße Suppe“. Das Angebot wird sehr gut angenommen.

Ruhe vor dem (An-)Sturm, beziehungsweise vor dem Krimi.

An Sonntagen, an denen Polizeiruf 110 als ARD-Sonntagskrimi läuft, kommen in der Regel weniger Besucher, bei besonders beliebten Tatorten aber auch mal bis zu 140 Leute. Besonders reizvoll sind  sicherlich die Ausstrahlungen des neuen Schwarzwälder Tatorts aus Freiburg, der den Bodensee-Tatort aus Konstanz ablöste.

Ein weiteres attraktives Extra ist neben der Suppe das „Mörderquiz“. Das Publikum tippt den Täter. Unter den richtigen Vorhersagen werden das „Große Mensaglück“ und das „Kleine Mensaglück“ verlost, sprich sechs oder drei Euro, welche auf die Unikarte gutgeschrieben werden.

Offenbar sind es vor allem Studierende ohne Fernseher, die das Angebot wahrnehmen.  Larissa studiert Religionspädagogik, und ist erst zum zweiten Mal vor Ort. „Es ist einfach eine coole Möglichkeit, Tatort zu schauen“, erklärt die 21-jährige. Andreas Vögele, Leiter des IC, freut sich über den Erfolg des Events. Er vergleicht das kollektive Tatort-Schauen mit einem Kinobesuch: „Die Leute kommen oft kurzfristig, aber pünktlich. Nach Krimi-Ende sowie der Gewinnauslosung wird es schnell leer.“. Ein Vorteil gegenüber Kinobesuchen sei es, dass den Zuschauern auf der großen Leinwand die Erstausstrahlungen sehr viel günstiger geboten werden: „Für zwei Euro bekommen sie in der MensaBar eine gute Bild- und Soundqualität, einen gemütlichen Abend mit Gleichgesinnten und eine leckere Suppe.“ IC-Kartenbesitzer müssten sogar nichts bezahlen.

Vögele sieht dennoch den Höhepunkt des Formats überschritten: „Vor vier Jahren noch kamen regelmäßig über 200 Leute, die dann sogar auf den Treppen oder dem Boden saßen. Das hatte schon Kult-Faktor.“ In Zeiten des Live-Streamings jedoch könne jeder den Tatort auch zu einem anderen Zeitpunkt anschauen.

Für Jana hat der Kultkrimi einfach Tradition. Die Studentin des Faches „Medienkulturwissenschaft“ erläutert: „Ich finde es schön, zum Abschluss vom Wochenende Tatort zu schauen. Nachdem man freitags und samstags feiern war, hat man dann noch einen eher ruhigen Abend, auf den man sich freuen kann, bevor der Montag wieder losgeht.“ Schon mit ihrem Vater habe sie immer versucht, den Mörder zu erraten, „das ist einfach so ein Familien-, Freunde-Ding“, stellt die 20jährige fest.

Weitere Informationen findet ihr unter: www.swfr.de/internationales/der-internationale-club/club-events/

Info

Live dabei: Tatort MensaBar – Kalte Morde, Heiße Suppe

Die heiße Linsensuppe, bereit für den kalten Mord.

Während auf der Leinwand noch die Tagesschau läuft, trudeln die die meisten Besucher ein. Die Tatortlustigen sind hauptsächlich Studierende, manche haben aber sogar ihre Eltern mitgebracht – „Tatort“: ein Erlebnis für Jung und Alt. Kurz vor Krimibeginn tritt ein Mitglied des Internationalen Clubs auf die Bühne und übernimmt die Rolle des Moderators, um den Abend einzuleiten und den Ablauf sowie die Spielregeln des Quiz kurz zu erläutern. Dann geht es auch schon los. Nach drei Minuten ertönt von der links vor der Bühne aufgebauten Suppenstelle ein: „So, die Suppe ist jetzt fertig.“ Sofort bildet sich eine lange Schlange hungriger Studenten. Der IC legt Wert darauf, dass es in der Regel vegetarische Suppen gibt, heute wird eine schmackhafte Linsensuppe serviert, Nachschlag inklusive.

Dann geht es los: die Leinwand versprüht Kinoflair. So wirkt spannendes noch einmal fesselnder, gruseliger, furchteinflößender und cooler… Um viertel nach neun kündigen die Helfer des IC an, dass sie gleich das Mörderquiz einsammeln werden. Nach kurzem Tuscheln zur Absprache, verfolgen die Besucher schließlich die restliche halbe Stunde voller Spannung. Trotz des undurchsichtigen Falls haben vier Studierende richtig geraten. Und schon schwärmen die Tatortfans auch schon wieder in die Sonntagnacht aus.

Autorin: Annika Stibitzky, BOK-Kurs: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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