Božič – Weihnachten auf Serbisch-Orthodox

Frühmorgens, draußen ist es noch dunkel, steigt mir der Duft der frischgebackenen Česnica* in die Nase und weckt mich sanft aus dem Schlaf. Es ist der 25. Dezember des julianischen Kalenders, oder der 7. Januar des gregorianischen Kalenders, der heutzutage gültig ist. Schon um vier Uhr an diesem Morgen ist meine Mutter aufgestanden, um die Česnica rechtzeitig für das Frühstück zu backen.

von Marina Aleksic

Selbstgemachte Cesnica

Mein Vater hat das Spanferkel am Abend zuvor – an Heiligabend, Badnje Veče* – am Spieß, in seinem selbstgebauten Spanferkel-Grill im Garten gebraten. Am Haus lehnt der Badnjak ein großer Ast einer Eiche, mit der am Božić* (Weihnachtsmorgen) der Ofen befeuert wird, vorausgesetzt man hat einen – wir nicht. Einer der Äste, der noch trockene Blätter trägt, steht in einer mit Mais- oder Weizenkörnern gefüllten Vase, geschmückt mit rot-weiß-blauen Bändchen und ein paar Geldscheinen.

Hier wird Pijukanje zubereitet

An Heiligabend, den 6. Januar, haben wir gefastet, es gab Fischsuppe, überbackene Bohnen, Krautsalat und mit Polenta panierten Karpfen. Nach dem Essen bringt mein Vater das Stroh ins Haus. Es wird unter den Tisch verteilt und darin Süßigkeiten und Münzen versteckt. Beim traditionellen Pijukanje dürfen wir Kinder im Stroh die Süßigkeiten suchen. Dabei rufen wir piju-piju, wie kleine Küken die Futter picken. Doch die Süßigkeiten müssen bis morgen warten, da das Fasten außer dem Fisch vegane Nahrungsmittel beinhaltet. Ich bin zwar kein Kind mehr, doch macht mir das Pijukanje immer noch großen Spaß, wenn ich mit meinen Geschwistern um das Geld und die Süßigkeiten kämpfe.

Das Gedeck für den Badnjak

Ich helfe meiner Mutter den Frühstückstisch um den Badnjak herum zu decken. Wir stehen alle um den Tisch während mein Vater das Vater Unser aufsagt und mit der Kadionica* das Haus weiht. Das ganze Haus duftet dann nach Weihrauch. Manchmal, wenn Weihnachten an ein Wochenende fällt, gehen wir vor dem Frühstück in die Kirche zum Gottesdienst, aber das geht nicht immer. Jeder von uns winkt sich etwas Weihrauch zu, wenn mein Vater die Kadionica in seine Richtung hält, und wir bekreuzigen uns alle – anders als Katholiken und Protestanten – mit drei Fingern: Daumen, Zeige- und Mittelfinger, die sich treffen, und statt von links nach rechts bekreuzigen wir uns von rechts nach links.

Es steht immer ein extra Gedeck bereit für den Polažajnik*. Das ist der erste Gast. Mein Cousin kommt durch die Tür. Beim Eintreten ins Haus wirft er Weizen und ruft: „Hristos se rodi!“*, worauf jeder von uns antwortet: „vaistinu, se Xristos rodi!“*. Dann wird gefrühstückt. Jeder bekommt ein Stück der Česnica in der eine Münze, ein Stück Holz, ein Maiskorn und der Schweinehuf versteckt werden. Jedes dieser Sachen hat eine Bedeutung und verheißt dem Finder Wohlstand, Wärme, Nahrung oder erfolgreiche Viehzucht im kommenden Jahr.

Zum Frühstück gibt es Spanferkel

Auch das Spanferkel Pečenica* genannt, Krautsalat, Sarma*, und Kuchen werden zum Frühstück gegessen. Der Tisch wird den ganzen Tag nicht abgedeckt, so dass sich jeder hinsetzen kann und essen kann, wann immer man es möchte. Die Tradition des so frühen Frühstückens kommt aus der Zeit des Kommunismus, als kirchliche Feiertage für die Bevölkerung nicht frei waren, und es auch verpönt war diese zu feiern. Deshalb gab es dieses unglaublich frühe Frühstück, damit die Familie dieses zusammen verbringen konnte. Heutzutage ist es in manchen Regionen Serbiens unter manchen Nachbarn schon eine Art Wettbewerb geworden, wer früher aufsteht.

Geschenke gibt es keine, denn im orthodoxen Brauch ist die Geburt Jesu Geschenk genug und das Zusammensein mit der Familie wird genüsslich zelebriert.

Es ist sieben Uhr. Alle sind müde und voll, doch wir müssen los zur Schule, Uni, Arbeit. Am Nachmittag, wenn alle wieder zu Hause sind, essen und faulenzen wir den Rest des Tages und genießen den Feiertag gemeinsam.

 

Autorin: Marina Aleksic,BOK-Seminar: Einführung in die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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