Wie funktioniert eigentlich… eine Steuererklärung?

Wenn man die unbeliebtesten regelmäßigen Aufgaben eines jeden Erwachsenen erfragen würde, käme der Begriff “Steuererklärung” bestimmt unter die ersten fünf Plätze. Unter Studierenden ist dieses Grauen vor der Steuererklärung meistens noch nicht so vertreten – vielleicht, weil sich die wenigsten mit dem Thema auskennen. Auch wenn es vielleicht erst mal trocken und langweilig klingt, kann es dennoch lohnenswert sein, sich schon vor dem Berufsstart mit dem Thema zu beschäftigen und vielleicht sogar selbst eine Steuererklärung zu machen. In diesem Artikel erfahrt ihr einige grundlegende Informationen, die Studierende und Steuern betreffen.

Was genau sind denn eigentlich Steuern?

Steuern sind Abgaben, die der Staat von seinen Bürgerinnen, Bürgern und Unternehmen erhebt, ohne dass man eine spezielle Gegenleistung dafür erhält. Sie sind die wichtigste Einnahmequelle des Staats, beispielsweise zur Finanzierung von Universitäten und Infrastruktur. Bei direkten Steuern, wie z.B. der Einkommenssteuer, weiß man genau, wie viel man zahlt, weil sie von der Einkommenshöhe abhängen. Außerdem sind sie gestaffelt. Von indirekten Steuern bekommt man hingegen kaum etwas mit, sie stecken z.B. als Mehrwertsteuer im Preis den man beim Einkauf für ein Produkt bezahlt. Dementsprechend sind sie für alle gleich hoch.

Ich möchte neben dem Studium arbeiten – muss ich dann Steuern zahlen?

Die meisten Steuern gehen direkt vom Gehalt ab, aber es gibt auch einen Freibetrag unter den Mini-, Neben- oder Werksstudentenjobs für Studierende fallen. Im Jahr 2018 liegt der Steuerfreibetrag bei 9.000€, wenn das Jahresgehalt diesen Betrag nicht übersteigt müssen also keine Steuern gezahlt werden. Sollte man mehr als diesen Betrag verdienen, kann eine Steuererklärung sinnvoll sein.

Wenn ich also „nur“ studiere oder unter 9.000 EUR verdiene betrifft mich das Thema gar nicht?

Nicht unbedingt. Während des Studiums fallen immer wieder hohe Kosten für die Ausbildung an. Diese kann man sich teilweise als Verlustvortrag anrechnen lassen. Das bedeutet, dass Kosten, die im Studium angefallen sind, nach Berufseintritt angerechnet werden. Die anfallenden Kosten sollte man während der Studienzeit also entsprechend aufbereiten, eine Art „vorbeugende Maßnahme“ im Studium mit Effekten zum Berufsstart.

Ich bin schon am Ende meines Studiums. Kann ich mir trotzdem noch Kosten aus den vergangenen Jahren anrechnen lassen?

Eine Steuererklärung kann aktuell rückwirkend für bis zu vier Jahre abgegeben werden. Natürlich ist es wesentlich einfacher, wenn man Rechnungen und Belege jährlich einreicht und nicht erst mühsam zusammensuchen muss. Deshalb kann es sich durchaus lohnen, früh damit anzufangen.

Was genau kann ich mir denn anrechnen lassen?

Anrechnen lassen kann man sich Werbungskosten. Werbungskosten sind theoretisch in unbegrenzter Höhe absetzbar, aber praktisch gibt es Einschränkungen. Unter Werbungskosten fallen beispielsweise Faktoren wie Mobilität (Weg zur Uni, regelmäßige Heimbesuche bei gutem Grund), Dienstreisen (Exkursionen, studienbedingte Auslandsaufenthalte, Praktika), Gebühren (Semestergebühr, Visum für ERASMUS) oder Arbeitsmittel (Laptop, Lehrbücher).

Des Weiteren sind Sonderausgaben und Vorsorgeaufwendungen steuerlich relevante Punkte. Sonderausgaben sind limitiert auf 1.900€ p.a. und beinhalten beispielsweise Beiträge zu Kranken-, Berufsunfähigkeits-, Unfall-, Haftpflichtversicherungen (Versicherungsarten). Häufig blockiert jedoch die Krankenversicherung den Rahmen von 1.900€, weil die Beiträge zur Krankenkasse vergleichsweise hoch sind. Dies kann bei der Berufsunfähigkeitsversicherung umgangen werden, wenn diese in Kombination mit einer Rente in die Basisvorsorgeaufwendung integriert wird. Dann fallen sie in den Mantel der Vorsorgeaufwendungen. Diese Kosten sind wiederum in 2018 bis zu 23.712€ absetzbar.

Das klingt aufwändig. Muss ich also jede Rechnung abheften und alles nachweisen können?

Ganz so schlimm ist es nicht. Für viele Ausgaben gibt es Pauschalen, z.B. 0,30€ pro km für den Anfahrtsweg in die Uni, Mehrverpflegungspauschalen auf Reisen oder die Umzugspauschale (um nur einige zu nennen). Bei den Pauschalen hängt es meist vom individuellen Ermessen der Verwaltungskraft ab, ob die gemachten Angaben plausibel sind. Alles, was nicht Pauschale ist, sollte nachgewiesen werden. Theoretisch kann man sich sogar den Kauf eines gebrauchten Lehrbuchs auf dem Flohmarkt in einem Quittungsblock bestätigen lassen und einreichen.

Also nochmal kurz – worauf muss ich bei dem ganzen Prozedere achten?

Pauschalen sind dein Freund. Sie machen vieles einfacher. Hat man sich einmal damit auseinandergesetzt, muss man in den Folgejahren nur die jeweiligen Zahlen anpassen.

Du hast nichts zu verlieren. Auch die Angestellten im Finanzamt wissen, dass das System ziemlich kompliziert ist. Wenn irgendwelche Angaben nicht belegt sind oder unglaubwürdig wirken, begehst du damit keine Straftat, sondern es wird einfach nicht einberechnet.

Plausibilität ist ein wichtiger Faktor. Niemand glaubt dir, dass du in Freiburg studierst und jedes Wochenende drei Tage an einer Lerngruppe in Hamburg teilnimmst, wenn du das nicht tatsächlich nachweisen kannst. Lass also besser nicht deine Fantasie mit dir durchgehen.

Steuerrecht ist eine komplizierte Sache. Ob sich eine Steuererklärung lohnt und wann man damit anfangen sollte, ist eine individuelle Entscheidung. Prinzipiell macht man aber nichts falsch, wenn man sich möglichst früh damit auseinandersetzt.


 

Trotz sorgfältiger Recherche sind alle Angaben ohne Gewähr auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Die Autorin dieses Artikels ist keine Steuerberaterin oder sonstige Expertin, sie hat sich neben der Eigen-Recherche bei dem kostenlosen Seminar „Steuertipps für Studenten – Studienkosten zurück holen“ vom Hochschulteam MLP Freiburg zu dem Thema informiert. Das Hochschulteam MLP Freiburg ist ein Finanz – und Karrieredienstleister und klärt seit über 45 Jahren im universitären Kontext im Workshop-Format zu wirtschaftlichen Themen auf. Die nächsten Seminartermine findest du hier.

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