Viel Zeit zum Chillen?

Ganz im Gegenteil! Viele Studierende liegen nicht faul auf dem Sofa, wie es das Klischee vorschreibt, sondern gehen während des Studiums arbeiten. Dabei geht es nicht nur um den finanziellen Aspekt, sondern auch um das Sammeln von Erfahrungen und einen Ausgleich, der im besten Fall viel Spaß macht. Wir haben mit einer Studentin gesprochen, die Arbeit und Studium unter einen Hut gebracht hat und es nicht bereut. Ein Beitrag von Denise Weberpold und Vanessa Bossler.

Ruth ist 27 Jahre alt, hat seit kurzem ihren Masterabschluss in der Tasche und startet nun mit ihrer Promotion durch. Sie lebt seit Beginn ihres Bachelors in Freiburg und hat Kulturanthropologie/ Europäische Ethnologie studiert.

Ruth ist eine von vielen Studierenden, die neben dem Studium noch arbeiten.

Ab dem zweiten Semester kellnerte sie nebenher in einem Café – zu Beginn des Masterstudiums kam noch ein Hiwijob in ihrem Institut dazu. Nach einem halben Jahr beschloss sie dann, das Kellnern an den Nagel zu hängen.

Sie erzählt uns von ihrer Zeit bis zum Ende ihres Masters. Wie hat sie ihren Wochenplan gestaltet? Welche Erfahrungen hat sie gemacht? Welchen Mehrwert hatte die Arbeit im Café und im Institut für sie?

“Arbeiten neben dem Studium finde ich total sinnvoll, alleine das Gefühl, dass man selbst Geld verdient, ist geil. Man ist in einer Lebensphase, in der man erwachsen wird, wo man nicht alle Ausgaben von Eltern legitimieren lassen will. Ich habe kein BaföG bekommen, bin aber von meinen Eltern unterstützt worden. Außerdem lernt man viel, was einem in der Entwicklungsphase zum Bachelor hin gut tut.”

Fünf Jahre lang versorgte sie in einem Café in der Altstadt die Gäste mit Getränken und Kuchen. Zwei Wochenenden im Monat, ein fester Vormittag unter der Woche und Einspringen. Auch wenn manche Schichten stressig waren, ging sie gerne dorthin. Ihr Chef achtete auf ein harmonisches Team; es herrschte eine entspannte Arbeitsatmosphäre. Mit dem Lohn und dem Trinkgeld kam sie super über die Runden.

„Arbeiten während des Studiums gehört für mich zusammen. Für mich war klar: wenn du studierst, arbeitest du auch nebenher. Ich bin gut damit klar gekommen. Es war immer viel, aber ich hatte nie das Gefühl, dass die Uni leidet. Kommt dann vor, dass man am Montag eine Hausarbeit abgeben muss und Samstag, Sonntag arbeiten muss, aber das kann man ja im Voraus planen.”

Was aber unter den Jobs gelitten hat, erzählt uns Ruth, sei ihr Studentinnenleben. Vor allem in den ersten Semestern – eine Zeit, in der man sich neu orientieren und Anschluss finden müsse. Für Hobbys oder soziales Engagement sei keine Zeit mehr übrig geblieben.

„Wenn ich gekellnert hab’, habe ich danach nichts mehr anderes gemacht. Das laugt sowohl körperlich, als auch emotional aus, auch wenn man recht früh Zuhause ist. Ich brauche viel Zeit für mich. Wenn man um neun aufsteht und um halb eins arbeitet, dann fängt man auch nichts mehr groß an.”

Im Masterstudium kam dann noch die Stelle am Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie dazu. Literaturrecherche, Korrekturlesen, Texte einscannen und hochladen, Tagungen unterstützen und auch mal bei technischen Problemen helfen. Das alles gehörte zu ihrem Aufgabenbereich. Sie wurde auch in Projekte einbezogen und konnte dabei zum Beispiel erfahren, was alles gemacht werden muss, wenn ein Buch herausgegeben werden soll.

Am Anfang leistete sie 50 Arbeitsstunden im Monat. Das Kellnern wurde zunehmend zur Belastung –  Ruth entschied, im Café aufzuhören.

„Als ich aufgehört habe zu kellnern, habe ich gemerkt, wie geil es ist am Wochenende frei zu haben. Es ist Freitagabend und plötzlich hast du Wochenende. Also klar, muss man seinen Uni-Kram machen, aber man kann dann trotzdem auch mal wegfahren.“

Wir wollten von Ruth wissen, inwiefern die Jobs sie fürs Studium weitergebracht haben.

“Der Hiwijob bringt mich insofern weiter, weil ich unglaublich viel Wissen anhäufe und viel Literatur, die im Fach kursiert, lesen kann. Mein Bibliografieren hat sich verbessert. Ich habe die Texte nicht blind eingescannt und weiß dadurch zu welchen Themen es welche Literatur gibt. Im Seminar bespricht man Texte inhaltlich, aber wenn man hilft ein Buch herauszugeben, diskutiert man mehr über Texte und lernt wie es läuft. Im Café verbessert man seine Sozialkompetenz, weil man lernen muss, mit den verschiedensten Leuten klar zu kommen.”

Weil sie am selben Institut arbeitete, an dem sie auch ihre Seminare besuchte, löste sich hier die Trennschärfe zwischen Arbeit und Studium auf. Das war angenehm, berichtet sie uns, aber dadurch geriete man auch in eine „Uniblase“. Allgemeine Ratschläge geben sei schwierig, da jeder Studiengang andere Anforderungen mit sich bringt. Sie betont auch, dass sie sich nicht ausschließlich mit ihren Nebenjobs finanzieren musste. Es sei wichtig, weise zu wählen und sich vor der Jobsuche Fragen zu stellen:

„Was ist mein Ziel, warum arbeite ich neben dem Studium? Geht’s mir nur um Geld? In sich reinhören. Was kann ich schaffen? Gucken, wo die Grenzen und Kapazitäten sind. Wie viel kann ich arbeiten, dass die Uni nicht darunter leidet?“

AutorInnen: Denise Weberpold und Vanessa Bossler

 

Zum Beitrag

Dieser Beitrag wurde im Rahmen eines BOK-Kurses beim Zentrum für Schlüsselqualifikationen verfasst. Dort könnt ihr im Medienbereich jedes Semester unterschiedliche Veranstaltungen belegenen. Einige der in den Veranstaltungen geschaffenen Texte veröffentlichen wir auf unserem Blog.

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