[Stadtgeschichte|City Stories] Die Sage vom Schwabentor | The legend of the Swabian Gate

Beitrag von Theodor Lammich | Article by Theodor Lammich
English Version is below.

Was haben ein Hirsch, ein Erpel und ein Schwabe gemeinsam? Für unsere Region jedenfalls mehr, als man zuerst glauben mag. Als Protagonisten unserer Sagen und Legenden bescheren sie Groß und Klein schon seit Jahrhunderten ein besonderes Stück Kultur. Und da Geschichten davon leben, dass man sie weitergibt, stellen wir euch in unserer Reihe ein paar der schönsten vor. Viel Freude!

What do a deer, a drake and a Swabian have in common? For our region, more than one might think initially. As protagonists of our sagas and legends, they have been bringing a special piece of culture to young and old for centuries. And since stories live from passing them on, we present some of the most beautiful ones in our series. Have fun!


Schaut man aus der Innenstadt heraus auf das Schwabentor, sieht man unter einem grünen Dach ein Wandbild. Dort zeigt sich in eitler Haltung ein junger Mann mit blauem Jackett, hinter ihm ein Pferdekarren mit mehreren großen Fässern. Doch wer ist dieser Mann, der an einem so prominenten Platz verewigt wurde?

Es ist schon eine Weile her, da wurde das gesamte Salz für die Freiburger auf Karren aus Schwaben transportiert und in der Straße verkauft, die man auch heute noch als Salzstraße kennt. Zu diesem Zwecke kamen viele schwäbische Salzkaufleute in die Stadt und konnten sich von ihrer Schönheit überzeugen. Denn die Schwaben hatten zwar Salz, aber ein bezauberndes Münster oder ein erfrischendes Bächle mitten in der Stadt war ihnen noch unbekannt. Und so kam es, wie es kommen musste. Ein junger und erfolgreicher Salzkaufmann verliebte sich in die Stadt und beschloss, Freiburg zu kaufen. Dazu ließ er seine Knechte einige Fässer mit Gold füllen und machte sich auf den Weg durch das Höllental bis er schließlich vor einem der dreizehn Stadttore stand.

„Hört her, liebe Freiburger!“, rief der Kaufmann den Bewohnern zu. „Etliche Fässer an Gold habe ich hier. Gebt mir eure wundervolle Stadt und das Gold soll euch gehören!“

Zunächst war es still. Doch bereits nach einem kurzen Moment hörte man ein kleines Mädchen kichern. „Der Schwabe will unsere Stadt kaufen?“, fragte sie. „Unser Freiburg ist mehr wert als alles Gold der Welt“, rief ein weiterer. Und da begann auch schon ein großes Gelächter. Die stolzen Bürger Freiburgs waren so sehr vom Übermut des Schwaben amüsiert, dass sich schon bald alle Fenster geöffnet hatten und die Menge ihn gemeinsam auslachte. Der Kaufmann war aber überzeugt, dass auch die Freiburger käuflich sind, ging zum Karren und rief ihnen zu: „Schaut es euch ruhig an, mein Gold! Seht, wie es schimmert und glänzt!“ Doch als er das Fass öffnete, purzelte nur Sand und Stein auf die Straße. Denn die kluge Frau des Kaufmannes war unzufrieden mit dem Vorhaben ihres Gatten und hatte vor seiner Abreise unbemerkt das ganze Gold gegen Steine ausgetauscht. Was für eine Schmach für den Schwaben! Und was für eine Erheiterung für die Freiburger Bürger! Zur Erinnerung nannten sie das Stadttor nur noch Schwabentor und verewigten den Kaufmann auf der Fassade. So kann sich auch noch heute jeder an den Tag erinnern, an dem der Schwabe Freiburg kaufen wollte.


English Version

If you look from the city center at the Schwabentor (Swabian Gate), you can see a mural under a green roof. There, a young man in a vain attitude with a blue jacket is shown, behind him a horse cart with several large barrels. However, who is this man who was immortalized in such a prominent place?

It was a while ago when all the salt for the Freiburg citizens was transported on carts from Swabia and sold on the street that is still known today as the Salzstraße (Salt Road). For this purpose, many Swabian salt merchants came to the city and could convince themselves of its beauty. Well, the Swabians may have salt, but an enchanting cathedral or a refreshing brook in the middle of the city was still unknown to them. Therefore, it came as it had to come. A young and successful salt merchant fell in love with the city and decided to buy Freiburg. To do so, he had his servants fill a few barrels with gold and made his way through the Höllental until he finally stood in front of one of the thirteen city gates.

„Listen, dear Freiburgers,“ the merchant shouted to the inhabitants. „I have several barrels of gold here. Give me your wonderful town and the gold will be yours!“

At first, it was quiet, but after a short moment, you could hear a little girl giggling. „The Swabian wants to buy our town?“ she asked. „Our Freiburg is worth more than all the gold in the world,“ shouted another. And then, a big laughter began. The proud citizens of Freiburg were so amused by the Swabian’s exuberance that soon all the windows had opened and the crowd laughed at him together. However, the merchant was convinced that the Freiburger citizens also could be bought, so he went to the cart and said to them: „Take a good look at my gold! See how it shimmers and glitters!“ But when he opened the barrel, only sand and stone tumbled onto the street. The wise merchant’s wife was dissatisfied with her husband’s plan. Unnoticed, she had exchanged all the gold for stones before his departure.

What a shame for the Swabian! And what an amusement for the citizens of Freiburg! As a reminder they called the city gate Swabian Gate and immortalized the merchant on the facade. So even today, everyone can remember the day the Swabian wanted to buy Freiburg.

Ein Gedanke zu “[Stadtgeschichte|City Stories] Die Sage vom Schwabentor | The legend of the Swabian Gate

Was denkst du dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s