[Stadtgeschichte|City Stories] Die Sage von der schlafenden Schönen | The legend of the sleeping beauty

Beitrag von Theodor Lammich | Article by Theodor Lammich
English Version is below.

Was haben ein Hirsch, ein Erpel und ein Schwabe gemeinsam? Für unsere Region jedenfalls mehr, als man zuerst glauben mag. Als Protagonisten unserer Sagen und Legenden bescheren sie Groß und Klein schon seit Jahrhunderten ein besonderes Stück Kultur. Und da Geschichten davon leben, dass man sie weitergibt, stellen wir euch in unserer Reihe ein paar der schönsten vor. Viel Freude!

What do a deer, a drake and a Swabian have in common? For our region, more than one might think initially. As protagonists of our sagas and legends, they have been bringing a special piece of culture to young and old for centuries. And since stories live from passing them on, we present some of the most beautiful ones in our series. Have fun!


Wer sich jemals auch nur länger als einen Tag in Freiburg verirrt, der sollte sich selbst einen großen Gefallen tun und wenigstens einen kurzen Spaziergang durch den Alten Friedhof unternehmen. Dieser ist einer der ältesten noch erhaltenen Friedhöfe Freiburgs und ist ein scheinbar ewiger Zeuge des Glaubensbewusstseins der Bürger, beginnend im Barock und endend im Neoklassizismus. Dass der Friedhof überhaupt noch besteht, ist dem berühmten Freiburger Bildhauer Johann Christian Wentzinger zu verdanken. Dieser vererbte sein Vermögen der Stadt nur unter der Bedingung, dass sein Grab „auf ewige Zeiten auf dem Alten Friedhof gesichert sei“. Die Stadt willigte ein.

Neben ihm ruht hier nun auch Caroline Christine Walter. Sie wurde in Opfingen geboren und verbrachte dort eine glückliche Kindheit. Schließlich zog sie zu ihrer Schwester in die Freiburger Innenstadt, wo sie auch einen Hauslehrer bekam. Dieser war nicht viel älter als Caroline und sah schnell, dass sie nicht nur ein begabtes und wunderschönes Mädchen war, sondern auch einen lieblichen Charakter hatte. Und so dauerte es nicht lange, bis er sich in die junge Frau verliebte, die ihre Freunde auch als „Menschenblume“ bezeichneten. Doch das Leben in dieser Zeit war oft mit Tragik konfrontiert: Caroline erkrankte an Tuberkulose. Eine Krankheit, auf die zu dieser Zeit jeder zweite Todesfall zurückzuführen war. Und auch Caroline entkam ihr nicht. Mit nur 17 Jahren verstarb sie im Jahre 1867. Ihr Onkel, Carl Schleip, ließ ihr ein Grabmal errichten, dass Caroline zeigt, wie sie mit glücklicher Miene in einem Bett schläft. Neben ihr ein Buch, die Beine umschlagen. Ein Anblick, der so friedlich ist, dass er einen nahezu vergessen lässt, welcher Schmerz mit ihm verbunden ist. Diesen Schmerz verspürte auch der ehemalige Hauslehrer. Und so machte er sich auf und legte jeden Tag frische Blumen auf das Grabmal. Und selbst der Tod konnte ihn nicht davon abhalten, der bezaubernden Caroline frische Blumen an das Grab zu bringen. Und so bringt auch heute noch der Geist vom verliebten Hauslehrer zu jeder Jahreszeit frische Blumen für die schlafende Schöne. Wer glaubt, das sei eine Lüge, der kann sich gerne selbst überzeugen und bei der Gelegenheit auf dem Alten Friedhof ein wenig Ruhe finden. Wenn auch nicht die ewige.


English Version

If you ever get lost in Freiburg for more than a day, you should do yourself a big favour and at least take a short walk through the Old Cemetery. This is one of the oldest still preserved cemeteries in Freiburg and is an eternal witness of the citizens‘ sense of faith, beginning in the Baroque and ending in the Neoclassicism. Thanks to the famous Freiburg sculptor Johann Christian Wentzinger, the cemetery still exists. Wentzinger bequeathed his fortune to the city only on the condition that his grave was „secured for eternity in the Old Cemetery“. The city obviously agreed.

Next to him, Caroline Christine Walter now rests here. She was born in Opfingen and spent a happy childhood there. Finally, she moved to her sister in the city center of Freiburg, where she also got a private tutor. He was not much older than Caroline. And soon he saw that she was not only a talented and beautiful girl, but also had a lovely character. And so, it did not take long before he fell in love with the young woman, who her friends also called „human flower“. But life during this time was often confronted with tragedy: Caroline fell ill with tuberculosis. A disease to which every second death at that time could be attributed. And Caroline did not escape it either. She died in 1867 at the age of only 17, and her uncle, Carl Schleip, had a tomb built for her that shows Caroline sleeping in a bed with a happy face. Next to her, a book. Her legs crossed. A sight so peaceful that it almost makes you forget the pain it causes. This pain was also felt by the former tutor. And so, he set out and put fresh flowers on the grave every day. And even death could not stop him from bringing fresh flowers to the grave of the enchanting Caroline. Therefore, even today the ghost of the loving tutor brings fresh flowers for the sleeping beauty at every season. If you think that this is a lie, you are welcome to see for yourself and take the opportunity to find some peace and quiet at the Old Cemetery. Even if not the eternal one.

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