Weihnachten in Zeiten von Corona – ein Rückblick

ein Beitrag von Eric

Mittlerweile ist das turbulente Jahr 2020 Geschichte und wir blicken alle zuversichtlich auf das anbrechende neue Jahr. Die Geschenke von Heiligabend sind ausgepackt (und vielleicht auch schon wieder weiterverschenkt) und der Weihnachtsbaum ist auf dem Sammelplatz entsorgt worden oder nadelt noch im Wohnzimmer dahin. Zeit für einen kurzen Rückblick auf die zurückliegenden Festtage aus Sicht eines Freiburger Studenten.

Zunächst zu den Rahmenbedingungen: Nach drastischer Zunahme der Fallzahlen und der Verkündung des zweiten harten Lockdowns entschlossen sich meine Großeltern aus Dresden, bei denen wir üblicherweise das Weihnachtsfest verbringen, uns nachvollziehbarerweise wieder ‚auszuladen‘. So verbrachte ich die Festtage im kleinen Familienrahmen mit Bruder und Mutter in meiner Heimatstadt Stuttgart.             
Reich geschmückt war unsere kleine Wohnung in der Landeshauptstadt und die Frau Mama hatte es sich wie jedes Jahr nicht nehmen lassen, eine bunte Auswahl an Plätzchen zu backen, sodass es in jedem Zimmer nach Vannilegipferln, Zimtsternen und Räucherkerzen duftete. Es scheint, als wäre es dieses Jahr eine noch vielfältigere Palette an Weihnachtskeksen als ohnehin schon, was gewiss auch mit den geltenden Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen zu tun hatte. Und auch der Weihnachtsbaum war üppig verziert und geschmückt. Es gab einfach mehr Zeit für die Dinge im eigenen Hause. Und das müssen nicht immer schweißtreibende Home-Workouts auf dem eigenen Teppich sein.

Wer schonmal Weihnachten in einer deutschen Familie miterleben konnte, der weiß, dass der 24.(abends) und 25.(ganztags) die wichtigsten Festtage sind. Dieses Jahr erfolgte die Bescherung an Heiligabend allerdings in ungewohnter Manier. Statt in größerer Runde beisammenzusitzen und zu erraten versuchen, welches Geschenk unter dem Baum denn nun für einen selbst bestimmt ist, blickten wir drei auf den Bildschirm meines Laptops, vor uns ein Paket voll mit verpackten Gegenständen. Das Paket hatten meine Großeltern vorab per Post geschickt. Ein ähnliches hatten sie von uns erhalten und öffneten jetzt die ersten Geschenke daraus, während wir über den Bildschirm alles mitverfolgten. Eine etwas kuriose Art der Bescherung, sicherlich, doch solange die Internetverbindung mitspielte, vergaß man beinahe, dass man nicht im selben Raum war.

Am ersten Weihnachtsfeiertag schließlich das große Festessen mit Gänsebraten, Klößen oder wahlweise Pellkartoffeln und Rotkraut. Normalerweise ist das auch der Tag, an dem Verwandte und Nachbarn zu Besuch kommen, diesjährig war die Visite jedoch wenig erstrebenswert, sodass wir die Zeit zu einem ausgedehnten Winterspaziergang im nahegelegenen Rosensteinpark nutzten. Am Abend dann doch der Videoanruf mit einer Großtante, die seit Jahrzehnten in den Vereinigten Staaten lebt und deren Deutsch mittlerweile einen leichten amerikanischen Einschlag angenommen hat. Die achtzig hat sie bereits überschritten. Dennoch bedient sie souverän Kamera, Mikrofon und jene Anrufsoftware, mit der manche Hochschuldozenten in den vergangenen Semestern zu ringen hatten. Chapeau für so viel technische Affinität im hohen Alter!

Ein Geschenk bestand unter anderem aus einer Teilnahme an einer digitalen Weinprobe und war für den 27.12 angesetzt. Von derartigen Formaten hatte ich im Sommer schon in den Medien gelesen und konnte mir zugegebenermaßen recht wenig vorstellen, wie sich ein solcher Abend digital gestalten lassen sollte. Besonders Umgebung und Atmosphäre spielen ja bei einer Weinverkostung eine zentrale Rolle. Lange gedeckte Tafeln in Gewölbekellern mit uralten, verzierten Eichenfässern, der mit fortschreitender Zeit immer anregender werdende Austausch mit den Tischnachbarn bei Kerzenschein und dergleichen. Es war dann allerdings auch auf digitale Art recht amüsant. Der Sommelier schaltete sich aus München zu, zusätzlich zu meinen Großeltern aus Sachsen waren ebenfalls Verwandte aus Erlangen (Bayern) dabei und wir verlebten einen sehr kurzlebigen Abend.

Darin liegt dann auch, meiner Meinung nach, trotz aller geltenden Einschränkungen und Verzichte dieses Jahr an Weihnachten der große Gewinn. Aufgrund der Tatsache, dass physisches Beisammensein schlichtweg nicht möglich war, wurden digitale Wege der sozialen Begegnung, deutlich wichtiger. Diese Tatsache erlaubte auch ein größeres Maß an Ortsunabhängigkeit und räumlicher Flexibilität. Die Wahrheit ist allerdings auch, dass Online-Begegnungen kein Ersatz sind für ein echtes analoges Aufeinandertreffen. Das haben wohl die allermeisten Studierenden dieses Jahr auch in ihrem Unialltag schmerzlich erleben müssen. In diesem Sinne freuen wir uns wohl alle auf eine Zeit, bei der Weihnachtsgeschenke nicht erst wieder zur Post gebracht werden müssen.

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