Die Pandemie und meine körperliche Fitness

Als wirklich sportlich konnte man mich nie bezeichnen. Ich hatte auch nie das Bedürfnis, mich über die Maße zu bewegen. Der Schulsport, den ich erlebt habe, hat vermutlich dazu beigetragen. Sicher, es gab tolle Erlebnisse von Trainingsfortschritt und Mannschaftsgefühl, aber eben auch die unangenehmen: Beim Kraulen das halbe Schwimmbad zu schlucken und nie vernünftig die Technik erklärt zu bekommen, aber zum Noten machen muss man vier Bahnen schwimmen. Oder Kugelstoßen während der Kursstufe: Während man eingebläut bekommt, sich um jeden Notenpunkt zu sorgen, erreicht man die erforderliche Weite nicht, um überhaupt in die Notenskala zu kommen. Die Technik wurde in dem Fall vernünftig erklärt, aber weil keine Zeit war, gab es eine Unterrichtseinheit zum Üben und zwei zum Notenmachen. Also null Punkte für die halbe Klasse. An den Coopertest möchte ich erst garnicht denken.

Das soll nicht bedeuten, dass ich eine Abneigung gegen Bewegung hätte. Ich liebe mein Snowboard und bin lange mit dem Fahrrad zur Uni gefahren. Seit mein Fahrrad einen wiederkehrenden Platten hat, bin ich viel zu Fuß gegangen. Ich habe auch das Unisportangebot ausprobiert, muss aber zugeben, dass der Weg von Zähringen zur Sporthalle in Littenweiler auf Dauer ein Hindernis war. Vielleicht war das auch nur der innere Schweinehund, der auch meine wiederkehrenden Bemühungen mit dem Joggen anzufangen zuverlässig begleitet.

Man könnte also sagen, ich bewege mich gerne, wenn es einen Grund dazu gibt. Nur habe ich in der Pandemie keinen Grund, mich zu bewegen. Vermutlich lege ich an manchen Tagen weniger als 100 Schritte zwischen Bett, Bad, Küche und Schreibtisch zurück. Einmal in der Woche nehme ich die 500 Meter zum nächsten Supermarkt auf mich und wenn das Wetter gut ist und die Lust dazu mit der Abneigung weiterzuarbeiten zusammenkommt, gehe ich auch mal spazieren. Aber ich kann mich noch so gut ernähren, als gesunden Lebenswandel lässt sich das nicht bezeichnen. Im Herbst habe ich einen erneuten Versuch unternommen, regelmäßiges Joggen in meinen Tagesablauf einzubauen. Seit meiner Jugend war mir Joggen grundsätzlich unangenehm, ich halte es für eine ständige Probe der Willenskraft, ein ständiges Ankämpfen gegen den Wunsch aufzuhören, aber es ist auch einsteigerfreundlich: Man benötigt nur Schuhe und eine möglichst ebene Strecke, darum fange ich immer wieder damit an, wenn ich an meiner Fitness arbeiten will.

Der Versuch im Herbst war tatsächlich einigermaßen erfolgreich. Zumindest erfolgreicher als frühere Versuche. Ich habe auch schon eine Verbesserung bemerkt, als ich krank wurde. Dann war es kalt, nass, verschneit und außerdem war ich noch nicht wieder wirklich fit. Kurzum – ich habe seither nicht wieder angefangen.

Dafür ist mir ein Trainingsplan für zu Hause in die Finger gekommen. Jetzt mache ich drei Mal die Woche verschiedene Variationen von Hampelmännern, Kniebeugen, Ausfallschritten und Liegestützen auf einer Isomatte in der Küche. Ein bisschen erinnert es mich an die Grundschule, nur hat jetzt alles einen englischen Namen und es gibt niemanden, der mich korrigiert, wenn ich eine Übung falsch mache. Ich mache auch das nicht zum ersten Mal. Ich habe schon Apps ausprobiert, die ein gewisses Ziel nach einer gewissen Zeit des Trainings versprechen, aber ich habe immer wieder aufgehört. Dieses Mal sehe ich eine Notwendigkeit, dran zu bleiben. Ich weiß, wie wenig ich mich im ersten Lockdown bewegt habe und der war bei gutem Wetter.

Es gibt trotzdem Tage, an denen ich den Sport auf morgen verschiebe oder ganz ausfallen lasse. Bisher habe ich mir aber meistens doch die Zeit genommen. Es hilft, wenn ich die Termine genauso wichtig nehme wie Seminare oder Arbeitszeiten. Dass daraus eine nachhaltige Gewohnheit wird, bezweifle ich, aber immerhin verkümmern meine Muskeln so nicht während des Lockdowns.

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