Gedichtstunde { Eierschale der Zeit

ein Beitrag von Christoph Scheit
Illustration von Aether

Früher, da dacht‘ ich in Bildern.
Ich glaubte die Zeit wär’ein Ei,
und Jahr um Jahr das verginge,
floss an der Schale vorbei.
Und jedes Jahr das vorbeizog,
rieb von der Schale ab.
So wurde sie immer dünner,
und die Zeit wurde knapp,
denn mit der dünneren Schale
verkürzten sich auch die Wege,
die die Jahre nahmen,
waren sie anfangs noch träge,
so hasteten sie bald schneller,
und schneller unentwegt.
Schon sah ich’s wie die Alten,
„Ach, wie die Zeit vergeht.“

Weltflucht – Kinderbücher, die man (nochmal) lesen sollte

ein Beitrag von Hannah

Sobald ich die Zeitung aufschlage oder die Nachrichten einschalte, werde ich überschwemmt von Corona-Krise. Auch wenn ich natürlich gerne weiß, was gerade los ist, kann ich mir nicht den ganzen Tag Weltuntergangsszenarien anhören. Deshalb habe ich bei meinen Eltern ein paar Kinderbücher gelesen, die mir früher vorgelesen wurden und die ich mittlerweile oft wieder gelesen habe. Es ist so schön, nochmal für ein paar Stunden im Hexenhaus meiner Lieblingshexen oder in der magischen Zeitmaschine der jungen Detektive zu verbringen. Da man im Moment ja gezwungenermaßen mehr Ruhe und Zeit für sich hat, lohnt es sich, alte Lieblingsbücher wiederzulesen oder sich mit neuen Kinderbüchern in fremde Welten zu träumen. Hier kommen zwei meiner all time favourites.

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[Stadtgeschichte|City Stories] Die Sage vom Männlein am Brunnen | The legend of the little man at the well

Beitrag von Theodor Lammich | Article by Theodor Lammich
English Version is below.

Was haben ein Hirsch, ein Erpel und ein Schwabe gemeinsam? Für unsere Region jedenfalls mehr, als man zuerst glauben mag. Als Protagonisten unserer Sagen und Legenden bescheren sie Groß und Klein schon seit Jahrhunderten ein besonderes Stück Kultur. Und da Geschichten davon leben, dass man sie weitergibt, stellen wir euch in unserer Reihe ein paar der schönsten vor. Viel Freude!

What do a deer, a drake and a Swabian have in common? For our region, more than one might think initially. As protagonists of our sagas and legends, they have been bringing a special piece of culture to young and old for centuries. And since stories live from passing them on, we present some of the most beautiful ones in our series. Have fun!

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Sternstunden des deutschen Kinos: Fünf Filme aus Deutschland, die man gesehen haben sollte

ein Beitrag von Christina, Elia und Aymeric

Vorhang auf und Kamera ab für fünf Perlen deutscher Filmkultur: Auch wenn deutsche Kinofilme auf den internationalen Leinwänden nur selten die ganz große Aufmerksamkeit auf sich ziehen, gibt es doch einige deutsche Filme, die man unbedingt einmal gesehen haben sollte. Sei es, um die historische Vergangenheit des Landes Revue passieren zu lassen, neue Filmtechniken zu entdecken oder durch eine feinsinnige Komödie, die Schwierigkeiten einer modernen Vater-Tochter-Beziehung vor Augen führen zu lassen.

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Rezept { Vegane Süßkartoffel-Brownies

ein Beitrag von Christina

Die Süßkartoffel-Brownies sind nicht nur unglaublich schokoladig, sie sind dank gekochter Süßkartoffel auch wunderbar saftig. Vermischt mit Datteln, Banane, Haferflocken, Kokosöl und Kakaopulver werden daraus kleine vegane Leckereien, die ganz ohne Milch, Eier und Butter auskommen. Die Idee aus Süßkartoffeln ein leckeres und gesundes Gebäck zu zaubern, stammt ursprünglich von der veganen Food-Bloggerin „Delicously Ella“ (https://deliciouslyella.com/recipes/sweet-potato-brownies-with-chocolate-sauce/) , wo ihr neben Süßkartoffel-Brownies noch viele andere vegane Backideen finden könnt. Meine studentenfreundliche Variation der Süßkartoffel-Brownies kommt ohne teures Mandelmus aus und setzt dafür auf Banane. 

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Gedichtstunde { Immer im Kreis

ein Beitrag von Christoph Scheit
Illustration von Aether

Zwei Raben saßen auf ‘nem Ast
Und machten dort vom Fluge Rast.
Da sprach der erste Raabe dann:
„Ach schau‘ dir mal das Mäuschen an.

Das läuft mit allzu großem Fleiß,
um unser’n Baum, immer im Kreis.“
Der zweite Rabe staunt nicht schlecht
und gibt dem ersten Raben recht.

Ja beide sind sie fasziniert,
was diese Maus wohl motiviert.
So fliegen sie von ihrem Sitz,
dort hin wo’s kleine Mäuschen flitzt.

Wie sie’s noch näher kommen seh’n,
bleibt’s Mäuschen dann auf einmal steh‘n.
Die Raben sie verstehen nicht,
warum’s den Lauf nun unterbricht.

Das kleine Mäuschen unterdessen,
glaubte die Raben wollten’s fressen.
Dass diese um es auszufragen,
die Schnäbel schon geöffnet haben,

vermag nicht wirklich zu erreichen,
dass aus ihm Angst und Panik weichen.
Nur dass sich’s nicht zu fliehen traut,
weil es die Raben schneller glaubt.

Da fragt der erste Rabe dann:
„Sag Maus, was treibt dich denn nur an?“
Die Maus, die jetzt recht ratlos scheint,
die weiß nicht was der Rabe meint.

„Warum läufst du um diesen Stamm?“
fing dann der zweite Rabe an.
Da konnt‘ das Mäuschen dann erkennen,
auf welche Antwort beide brennen.

Und mit einem verschmitzten Blick,
gab es die Frage dann zurück:
„Sitzt denn ihr beiden ohne Hast,
den ganzen Tag auf eurem Ast?“

Die Raben, sie verneinten dies,
was unser Mäuschen lächeln ließ.
Nein später sei’n sie wieder fort,
sie zögen ja von Ort zu Ort.

Da fragte dann das Mäusschen weiter,
inzwischen war es fast schon heiter:
„Macht ihr dann an demselben Platz,
auch gerne einmal mehrfach Rast?“

„Ja klar, wir kommen immer wieder,
bekanntes mögen wir auf lieber.“
Das kleine Mäuschen sprach darauf:
„Dann habt ihr eure Antwort auch.“

Die Raben sah’n sich beide an,
als langsam die Erkenntnis kam.
Wie’s uns’re Maus schon lange weiß,
rennen wir alle nur im Kreis.

(Auto-)Biografische Werke – Eine Empfehlung

ein Beitrag von Vanessa

„Im Meer schwimmen Krokodile. Eine wahre Geschichte“ von Fabio Geda erschien erstmalig 2011 im Albrecht Knaus Verlag. 

Das Buch erzählt die Geschichte von Enaiatollah Akbari, der als 10-Jähriger seine Reise von Afghanistan nach Europa beginnt. Als die Repressionen gegenüber den schiitischen Hazara in Afghanistan zunehmen, schmuggelt Enaiats Mutter ihn nach Pakistan, mehr kann sie allerdings nicht für ihn tun. Illegale Grenzüberquerungen auf Lastwagen, zu Fuß über eisige Berge oder im Schlauchboot ohne Schwimmweste sind nur einige Stationen auf seinem Weg. Er lernt das Leben von seiner grausamen Seite kennen, doch die Worte seiner Mutter und die Hoffnung auf ein besseres Leben treiben ihn voran. 

Ich habe Enaiats Schicksal mit einem lachenden und einem weinenden Auge verfolgt. Denn trotz der schrecklichen Geschehnisse, strotzt dieses Buch vor Lebenswillen und Optimismus. Fabio Geda erzählt Enaiats bewegende und sehr emotionale Geschichte auf eine dennoch informative Art. Eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt und einem einmal mehr vor Augen führt, wie viel eine gute Tat jemandem bedeuten kann. 


Die Autobiografie „Befreit. Wie Bildung mir die Welt erschloss“ von Tara Westover erschien 2019 im Verlag Kiepenheuer & Witsch und thematisiert Taras Lebensgeschichte in drei Kapiteln. 

Als eines der jüngeren von sieben Kindern wächst Tara in den Bergen Idahos auf. Ihr Vater, ein fundamentalistischer Mormone, lehnt den Staat strikt ab und bereitet sich zudem auf die Apokalypse vor. Für Tara und ihre Geschwister bedeutet dies, dass stets ein »Ab in die Berge«-Rucksack gepackt ist, sie keine Geburtsurkunden besitzen, keine öffentliche Schule besuchen und auch bei schlimmen Verletzungen kein Arzt gerufen wird. Mit 17 Jahren betritt Tara das erste Mal eine Schulklasse. Dieser erste Schritt brachte sie bis nach Cambridge. 

Dieses Buch erzählt vom Mut einer jungen Erwachsenen ihren eigenen Weg zu gehen und sich für Bildung zu entscheiden, von der Erkenntnis, dass es im Leben nicht nur eine Wahrheit gibt und von der Freiheit die man dadurch erlangt.